13.06.2018 / Feuilleton / Seite 5 (Beilage)

Die Sonne des Maoismus stand tief

In »Der gläserne Sarg« erzählt Willi Jasper, wie das große China mitunter auf eine kleine westdeutsche Studentenpartei hörte (und andersrum)

Markus Mohr

Im Oktober 1977 reiste Bundesaußenmister Hans-Dietrich Genscher nach Beijing. Doch die chinesische Staatsführung war misstrauisch, Deng Xiaoping lehnte ein Treffen mit Genscher ab. Dieses Verhalten war den chinesischen Kommunisten von Funktionären der westdeutschen Studentenpartei KPD, die kurz zuvor Peking besucht hatten, empfohlen worden. Gefragt, wie mit dem Außenminister ihres Landes zu verfahren sei, hatten diese »kein gutes Haar an Genscher« gelassen. Mehr noch: »Wir warnten vor ihm. Er sei ein unzuverlässiger Taktiker und werde sich als ›Entspannungspolitiker‹ niemals auf eine Front gegen Moskau einlassen«, schreibt Willi Jasper in seinen »Erinnerungen an 1968«. Wie ihr großes Vorbild China betrachtete auch die kleine KPD die realsozialistischen Staaten als »Revisionisten«.

Jasper war damals 32 Jahre alt, hatte ein Germanistikstudium abgeschlossen und war leitender Redakteur der Roten Fahne, der Wochenzeitung der KPD, die 1970 in West-Berlin als ei...

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