25.04.2018 / Betrieb & Gewerkschaft / Seite 6 (Beilage)

Jenseits des Standesdenkens

In Polen kämpften Nachwuchsärzte im Winter um mehr Geld für das Gesundheitswesen, nicht nur für sich selbst

Reinhard Lauterbach, Poznan

Im letzten Spätherbst zeigten Polens Medien ungewohnte Bilder. Junge Leute in weißen Arztkitteln auf Luftmatratzen: ein Hungerstreik sogenannter Residenzärzte. So werden in Polen junge Mediziner nach dem Examen, die an Krankenhäusern ihre Facharztausbildung machen, genannt. Letztere dauert bis zu sechs Jahre, ist mäßig bezahlt – umgerechnet erhalten die jungen Ärzte knapp 1.000 Euro brutto, netto entspricht das 600 bis 700 Euro – und setzt die »Residenten« unter ständigen Druck sozialer Fügsamkeit.

Dieser Druck entfaltet sich im chronisch unterfinanzierten polnischen Gesundheitswesen vor allem deshalb, weil die Krankenhausdirektoren den Großteil der laufenden Arbeit mit den Patienten auf diese Nachwuchskräfte abwälzen, die wiederum auf das Wohlwollen ihrer Chefs angewiesen sind, um ihre Ausbildung abschließen zu können. Die Folge: Die Ärzte machen zusätzliche Bereitschaftsdienste, teilweise in mehreren Kliniken, um über die Runden zu kommen. Solche Bereit...

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