25.10.2017 / Feuilleton / Seite 4 (Beilage)

Im Wein liegt Wahn

Gift oder Balsam? Einstiegsdroge oder Medizin? Es kommt ­letztlich immer auf Dosis und Umgebung an, wie der Rebensaft kurz- und ­langfristig wirkt

Jörg Auf dem Hövel

Infolge einer Jahrtausende währenden Einbettung in den sozialen Alltag ist der Wein, anders als andere Drogen, ein anerkanntes Rauschmittel, bei dem die Dosierung maßgeblich die Wirkung bestimmt. Wie es zur herausragenden Stellung des Weines kam, wirft Licht in eine weithin unbeleuchtete Ecke gesellschaftlicher Konsumkultur.

In den griechischen Mythen galt Dionysos nicht nur als Gott des Weines, sondern auch als jener der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Der Rausch galt als kleine Vorwegnahme der Unsterblichkeit, eine Vorahnung des ewigen Lebens. Heute weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass im antiken Griechenland Wein häufig mit anderen Substanzen versetzt war, eingeschlossen dem, was man heute »Partydrogen« nennt. Es folgten Bacchanalien im Römischen Reich und die weitere Verbreitung des Weinanbaus und des gegorenen Traubensafts innerhalb des Imperiums. Entscheidend für die heutige Weinkultur war allerdings seine Appropriation in der christlichen Myt...

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