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10.06.2015 / 0 / Seite 6 (Beilage)

Todesfahrten

Abasse Ndione schildert das Schicksal von afrikanischen Bootsflüchtlingen. Die brutalste Seeräuberei wird heute von internationalen Fischfangflotten betrieben

Gerd Schumann

Der senegalesische Autor Abasse Ndione erzählt in seinem Kurzroman »Die Piroge« von den Gründen, die Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer das eigene Leben riskieren lassen. Ob der Roman, der eher eine Erzählung ist, inzwischen gar »zu einem Klassiker der gegenwärtigen afrikanischen Literatur geworden« ist, wie es der Transit-Verlag behauptet, sei dahingestellt. Jedenfalls verschafft der Autor seinen Lesern einen präzisen Einblick in den Alltag seines verarmten Landes. Es nimmt Rang 163 der UN-Entwicklungsskala HDI ein, Tendenz hoffnungslos. Hier bedeutet Leben überleben, und dem mit Geburt verfügten Schicksal zu entkommen wird niemandem gelingen, der bleibt.

Über vierzig Menschen begeben sich an Bord und überfüllen die Piroge des Fischers Baye Laye, um in das gelobte Land zu gelangen. In dem fließen Milch und Honig, heißt es. Sie werden, da sind sie sicher, viele harte Euros in afrikanische CFA-Francs umtauschen und ihren Familien schicken. Papa bring...

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