Gegründet 1947 Mittwoch, 19. Juni 2019, Nr. 139
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09.10.2013 / 0 / Seite 15 (Beilage)

Drei Jahre hungern

»Lenas Tagebuch« ist ein erschütternder Bericht vom alltäglichen Sterben im belagerten Leningrad

Raoul Wilsterer

Die Sechzehnjährige büffelt für das Fach Literatur, die ganze Nacht hindurch. »Ich bin um fünf Uhr früh ins Bett gegangen«, heißt es zu Beginn ihres ersten Tagebucheintrags am 22. Mai 1941. Lena wird ab nun regelmäßig von ihren Sorgen, der Sehnsucht und ihrer ersten Liebe erzählen. Alltäglichkeiten aus dem Leben einer Heranwachsenden nicht nur in Leningrad, wo sie mit ihrer Tante, die sie »Mutter Lena« nennt, und Aka, einer alten Freundin der Familie, in einer Kommunalwohnung lebt. Sie schafft die Prüfungen trotz eigener Bedenken recht souverän. Zudem bemüht sie sich um ihren Mitschüler Wowka, den sie anhimmelt – mal euphorisch, mal verzweifelt, dann distanziert, doch immer hoffend. »Ja, natürlich wird mich später irgend­jemand lieben. Aber was soll ich mit später. Ich will jetzt geliebt werden.«

Dann der 22. Juni 1941. Um 12 Uhr 15 lauscht »das ganze Land der Ansprache des Genossen Molotow«....

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