16.08.2007 / 0 / Seite 4 (Beilage)

Verordneter »Schwachsinn«

Psychiatrie im Nazistaat und in der BRD. Zwei Opfer leisten Widerstand

Thomas Wagner

Im Jahr 1928 traf die Bergarbeiterfamilie Wulf eine folgenreiche Entscheidung. Sie gab ihren 1921 geborenen Sohn Paul schweren Herzens in die Obhut des katholischen St.-Vincent-Heims in Cloppenburg. Der Grund: Vater Wulf hatte sich bei der Arbeit in der Kokerei der Zeche Ernestine die Gesundheit ruiniert und sah sich nicht mehr in der Lage, die sechsköpfige Familie zu ernähren. 1932 wurde Paul in eine sogenannte Idiotenanstalt nach Marsberg verlegt. Fünf Jahre später drängten die Eltern auf seine Entlassung. Seine Mutter war gewarnt worden, daß in der Einrichtung Kinder ermordet wurden. Während eines ihrer Besuche riefen ihr Kinder aus einem vergitterten Fenster zu: »Holt uns hier raus, die machen uns alle tot!« Der Anstaltsleiter Dr. Walther Kaldeway hieß bei den Kindern »Menschenmetzger«. Nachdem die Eltern 1937 den Entlassungsantrag gestellt hatten, teilte ihnen die Anstaltsleitung mit, ihr Sohn könne aufgrund von »angeborene(m) Schwachsinn ersten Grad...

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