Kämpfen fürs Paradies
Kubas Nachwuchs profitiert von Bildung und Gesundheitsversorgung
Wenn es um Kuba geht, ist den bürgerlichen Massenmedien
hierzulande kein Klischee zu blöd, um es nicht als Nachricht
in die Welt hinauszuposaunen. Wenn die kubanische
Fußballnationalmannschaft kurzfristig eine Europatournee
absagen muß, ist daran natürlich Fidel Castro schuld.
Wenn Havanna Häftlinge auf freien Fuß setzt, spekulieren
die Agenturen darüber, ob der oder der zu den Freigelassenen
gehört – selbst wenn er gar nicht im Gefängnis
sitzt. Für sie ist Kuba ein Land von prinzipiell
leichtbekleideten jungen Frauen, das von alten Männern
geführt wird. Zahlen und Fakten stören nur.
Die Bevölkerungsstruktur Kubas unterscheidet sich nur
geringfügig von der in den wichtigsten Industriestaaten. Die
durchschnittliche Lebenserwartung liegt mit 77,45 Jahren nur knapp
unter der in den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Union und zum Beispiel über der in der Tschechischen Republik.
Kein Vergleich mit anderen Staaten, die wie Kuba
Entwicklungsländer sind. Im benachbarten Haiti beträgt
die durchschnittliche Lebenserwartung nicht einmal 61 Jahre. Auch
in der Dominikanischen Republik mit 73,7 und in Jamaika mit 73,5
Jahren liegt sie unter den kubanischen Werten. Selbst Argentinien
und Brasilien können in dieser Frage nicht mit Kuba
konkurrieren.
Ein wichtiger Grund dafür sind die beispielhafte Gesundheitsversorgung und das einzigartige Bildungswesen auf der Insel. Kuba gehört zu den wenigen Ländern der Region, die drauf und dran sind, die »Millenniumsziele« der Vereinten Nationen, die bei einem Gipfeltreffen im September 2000 in New York festgelegt worden waren, auch tatsächlich zu erreichen. Das UN-Vorhaben, bis 2015 allen Kindern zumindest eine Grundschulausbildung zu ermöglichen, hat die Insel praktisch schon umgesetzt. 2008 besuchten nicht weniger als 99,7 Prozent der Kinder in dem entsprechenden Alter tatsächlich die Grundschule, 96,5 Prozent von ihnen schlossen diese erfolgreich ab. Damit nicht genug: 98,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen gingen anschließend auch auf eine weiterführende Schule. Und die aus anderen Ländern bekannte Erscheinung, daß Mädchen aus der Schule genommen werden, um sie zu verheiraten, ist in Kuba unbekannt: 2007 war nur bei sieben Schülerinnen eine Eheschließung Grund für den Abbruch der Ausbildung. Angesichts solcher Zahlen erscheint auch der Befund der Volkszählung von 2002 nicht unrealistisch, die eine Analphabetenquote von 0,0 Prozent ergeben hatte.
Mit solchen Voraussetzungen ist Kuba tatsächlich ein »Leseland schlechthin«, wie Katja Klüßendorf in dieser Beilage feststellt. Doch natürlich ist es weit davon entfernt, ein Paradies für Jugendliche zu sein. Es bleibt ein armes Entwicklungsland, in dem gerade vor der jungen Generation riesige Herausforderungen stehen. Ein Teil seines Territoriums ist noch immer von den USA besetzt, worauf Steffen Niese in seinem Beitrag hinweist. An den Kampf um die Rückkehr des kleinen Jungen Elián González vor zehn Jahren erinnert Santiago Baez. Gerd Schumann blickt darauf zurück, wie Kuba und die DDR unzähligen Kindern und Jugendlichen aus dem südwestlichen Afrika das Leben retteten und einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung des südafrikanischen Rassistenregimes leisteten. Und Deisy Francis Mexidor informiert über den Kampf um die Freilassung der fünf Kubaner, die seit fast zwölf Jahren in US-amerikanischen Gefängnissen inhaftiert sind, weil sie ihre Heimat vor Terroranschlägen bewahrten. Wie die jungen Kubanerinnen und Kubaner mit der notwendigen Umgestaltung in der Wirtschaft ihres Landes umgehen, beschreibt Tobias Kriele. Und schließlich hat Mario Arcadi bei dem kubanischen Rapper »El Denni« nachgefragt, wie sich diese Probleme auf die Jugendkultur in der kubanischen Provinz auswirken.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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