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Online Extra
09.04.2026, 17:47:17 / Inland

Ermittler: Liebich in Tschechien festgenommen

Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich.jpg
Liebich wartet vor einem Gerichtssaal (Leipzig, 11.7.2025)

Halle/Saale. Marla-Svenja Liebich, 2023 als Neonaziaktivist Sven Liebich vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt, ist in Tschechien entdeckt und festgenommen worden. Der leitende Oberstaatsanwalt der in Deutschland zuständigen Staatsanwaltschaft Halle/Saale, Dennis Cernota, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag die Festnahme auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls. Wie Cernota erklärte, gingen der Festnahme umfangreiche, teilweise verdeckt geführte Ermittlungsmaßnahmen voraus. Die Staatsanwaltschaft werde nun die erforderlichen Schritte für ein Auslieferungsverfahren einleiten.

Liebich hatte nach seiner Verurteilung auf der Grundlage des 2024 in Kraft getretenen Selbstbestimmungsgesetzes die Änderung seines amtlichen Geschlechtseintrages und seines Vornamens veranlasst. Dadurch waren die Behörden gezwungen, Liebich zum Haftantritt in einem Frauengefängnis in Chemnitz aufzufordern. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte Liebich damals einen »Missbrauch« der neuen Regelungen vorgeworfen. Liebich hatte sich Ende August 2025 vor dem Haftantritt abgesetzt. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte daraufhin einen Vollstreckungshaftbefehl erlassen. Auf dem X-Account von Liebich wurde danach mitunter im Stundentakt gepostet. Die rechte Szene feierte Liebich in sozialen Medien für die Aktion. Wegen Liebichs Änderung des Geschlechtseintrags entbrannte eine Debatte über die Auswirkungen des Selbstbestimmungsgesetzes und die mögliche Unterbringung von Liebich in einem Frauengefängnis.

Liebich wurde dem Vernehmen nach nun in Cernota in Krásná festgenommen. Die Gemeinde liegt im Bezirk Cheb ganz im Westen Tschechiens. Laut Mitteldeutscher Zeitung soll Liebich Männerkleidung getragen und einen kahlrasierten Kopf haben. Zum äußeren Erscheinen wollte sich der Oberstaatsanwalt nicht äußern. Seit Ende August 2025 fahndeten Polizei und Staatsanwaltschaft nach Liebich. (AFP/jW)

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