Faules Ei des Tages: Friedrich Merz
Von Niki Uhlmann
Wir müssen jetzt sofort und für immer alle gemeinsam ungleich mehr Eier lecken als jemals zuvor! So klang Friedrich Merz am Donnerstag beim Versuch, seinem Hühnerstall mit einer launigen Videoansprache Disziplin einzutrichtern. Dort hält ihn allerdings nur noch jeder fünfte für das Gelbe vom Ei, woraus der ebenso unbedarfte wie unbeliebte Obergockel offenbar die Notwendigkeit einer Flucht nach vorn abgeleitet hat: Damit »wir ein wohlhabendes Land in Freiheit und Frieden bleiben«, müssten wir »uns alle zusammen anstrengen«. Das würde dem lüsternen Kanzler passen, wenn jetzt alle Eier zeigen.
Dabei geht das faule Ei selbstbewusst mit schlechtem Eispiel voran: vom Eiertanz im Angesicht der Kriegsverbrechen seiner Wertepartner bis zu seinen verbrecherischen Angriffen auf den Sozialstaat, die auf nicht weniger hinauslaufen, als reihenweise Lohnabhängige länger und härter für einen Appel und ein Ei buckeln zu lassen. Inzwischen gleicht sich jede Verlautbarung aus dem Kanzleramt wie ein Ei dem anderen: Für jene, »die fleißig sind«, soll »am Ende des Monats auch etwas mehr übrig bleiben«. Wie üblich kam auch dieses Lippenbekenntnis nicht ohne Rumgeeier aus: »Dafür machen wir dann auch im Laufe dieses Jahres ganz konkret einige Reformen.« Wie ein blinder Hahn auf Körnersuche posierte Merz: Seht her, ich lecke sogar ungelegte Eier. Eieiei.
Derweil hüten Blackrock-Fritz und seinesgleichen ihre Reichtümer wie die Glucke ihr Ei. Verwiesen sei also auf das Ei des Kolumbus: Unsere Welt geht schwanger mit einer besseren, die wir nur ausbrüten müssen. Würde das deutsche Proletariat mal kollektiv die Eier schaukeln, hätte es seine Herren fix an ihren Eiern. Damit wäre auch die gegenwärtige Eierknappheit überwunden – zumindest figurativ. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Friedrich Merz vermehrt Eierstöcke lecken sollte.
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