Justizopfer des Tages: Ben Roberts-Smith
Von Felix Bartels
In Australien wird erst dekoriert und dann ermittelt. Hierzulande tat man sich geduldig. 2010 legte die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen den Oberst Klein still, der 2009 nahe dem afghanischen Kundus über hundert Zivilisten hatte töten lassen. Sie für Kombattanten haltend, befand man in Deutschland, obwohl eine NATO-Untersuchung zu dem Schluss gekommen war, dass Klein Warnsignale ignoriert hatte. 2013 machte man ihn dann zum Brigadegeneral.
Als Mörder bezeichnen darf man ihn folglich nicht, weshalb ich das hiermit auch nicht tue. Anders Australiens höchstdekorierten Soldaten. Ben Roberts-Smith darf nach erfoglosen Unterlassungsklagen gerichtsfest Mörder genannt werden. Fünf Menschen, die »zum Zeitpunkt ihrer mutmaßlichen Ermordung in Afghanistan nicht an Kampfhandlungen« teilnahmen, soll er zu Tode gebracht haben, wie Krissy Barrett, Präsidentin der Bundespolizei, erklärte. Am Dienstag wurde er festgenommen.
Konservativ geschätzte 180.000 Menschen haben im von der Regierung Bush 2001 ins Werk gesetzten Afghanistan-Krieg ihr Leben gelassen, etwa 50.000 davon Zivilisten. Begründet wurde der Feldzug zunächst mit der Jagd nach Bin Laden, später mit netten Brunnenbauprojekten und dosiertem Feminismus, was man dieser Tage »wertegeleitete Außenpolitik« nennt. Kontrolle über das Land erlangte man nie, Staatspräsident Karsai wurde als Bürgermeister von Kabul bespottet. Gleich nach Abzug der NATO im Sommer 2021 hatten die Taliban das Land wieder im Griff. Hunderttausende Leben für genau nichts. Ein paar Verbrechen am Rande wurden geprüft, der Feldzug selbst ist kein Gegenstand von Ermittlungen, obgleich Artikel 26 des GG solche hergäbe. Degenhardt wusste schon, wovon er sang, als er sang: »Denn wer Tausende verbrannte, / Der bekam den Ehrensold, / Doch erschlug er einen einzlnen, / Hat der Henker ihn geholt«.
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