Indonesien sperrt Social Media für Jugend
Von Thomas Berger
Australien hatte es im vergangenen Jahr vorgemacht – nun zieht Indonesien als erstes »nichtwestliches« Land nach. Ab dem 28. März sollen im Inselstaat alle Social-Media-Kanäle für Menschen unter 16 Jahren gesetzlich gesperrt sein. Die Regierung des rechtskonservativen Präsidenten Prabowo Subianto will mit diesem Schritt gegen eine Reihe von Gefahren im Zusammenhang mit exzessiver Onlinenutzung bei Kindern und Jugendlichen vorgehen. Wie effektiv dies sein wird und wie praktisch umsetzbar das ist, steht dabei noch auf einem anderen Blatt.
Indonesien setzt damit nicht nur innerhalb der südostasiatischen Elfergemeinschaft der ASEAN-Mitglieder, sondern in Asien insgesamt auf eine Vorreiterrolle. In der größten Volkswirtschaft dieser Weltregion und einwohnerstärksten mehrheitlich muslimischen Nation trifft der Bann Abermillionen Mädchen und Jungen hart – während mindestens ein prägnanter Teil der Eltern über den Schritt der Politik erleichtert ist, da er sich selbst Sorgen um die Abhängigkeiten des Nachwuchses oder schädliche Einflüsse der langen Zeiten am Smartphone gemacht hat.
»Wir unternehmen diesen Schritt, um die Souveränität über die Zukunft unserer Kinder zurückzuerlangen. Wir wollen Technologie, die Menschen menschlicher macht, nicht aber die Kindheit unserer Kinder opfern«, sagte Informationsministerin Meutya Hafid, eine der wenigen Frauen im Kabinett, zur Begründung. Es gehe dabei um effektiven Schutz vor Gewaltszenen, pornografischen Inhalten, Cybermobbing und vor allem zunehmender Onlinesucht der Minderjährigen. Betroffen von der Anordnung sind im ersten Schritt die Plattformen Youtube, Tik Tok, Facebook, Instagram, Threads, X, Bigo Live und Roblox. Weitere Kanäle könnten folgen. Die Ministerin sprach in diesem Zusammenhang von einem »digitalen Notstand«, dem man habe begegnen müssen.
Viele Eltern oder auch Lehrkräfte in Indonesien mögen diese Dringlichkeit eines Eingreifens ähnlich sehen. Eine höhere zweistellige Millionenzahl von Accounts, die zu Nutzern unterhalb der neuen Grenze für das Mindestalter liegen, wird nun stillgelegt. Und der empörte Aufschrei bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen dürfte ähnlich laut ausfallen wie seinerzeit in Australien. Noch unklar ist allerdings die konkrete Umsetzung im Detail. Auch die zuständige Ministerin äußerte sich bisher eher schwammig dazu, wie effektive Kontrollen stattfinden sollen, sprach lediglich offen von »Herausforderungen«, die es da sicherlich gebe.
Etliche Fachleute warnen bereits vor Lücken und Schlupflöchern. Denn bisher haben die meisten betroffenen Portale keine verifizierte, sichere Alterskontrolle der Zugänge. Altersangaben in den Anmeldungen finden dort vielmehr nach Selbstauskunft statt, wären also ganz einfach zu manipulieren, indem man sich älter macht, mahnte auch Bimantoro Kushari Pramono von der Universitas Indonesia gegenüber dem singapurischen Nachrichtenportal Channel News Asia (CNA).
Dass teilweise schon Fünfjährige etwa auf Gaming-Plattformen wie Roblox einen Account haben und schwer vom Handybildschirm zu lösen sind, ist aber auch in Indonesien längst ein verbreitetes Problem; in den großen Städten noch mehr als in eher ländlichen Regionen. Und noch mehr als in westlichen Ländern scheinen viele Eltern damit überfordert. Der indonesische Staat versuche mit dem Gesetz aber nicht nur, die Kinder zu schützen, sondern auch, gegenüber den vornehmlich in Übersee ansässigen Techgiganten ein Stück Kontrolle über den digitalen Raum zurückzuerobern, so Bimantoro.
Sehr aufmerksam dürfte alles rund um den aktuellen Vorstoß in Jakarta in der regionalen Nachbarschaft verfolgt werden. Malaysias Politik hatte schon vergangenen November ebenfalls Intentionen eines Einschreitens verkündet, einen Monat zuvor war zudem von einem möglichen Handyverbot in den Schulen die Rede. Konkreter wurde es bisher nicht. Auch im Stadtstaat Singapur laufen längst Debatten über einen ähnlichen Schritt.
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Das ist falsch, alles ist falsch. Auch das Modell, denn es wird scheitern, weil Kinder pfiffiger als Politiker sind, und wird deren Mobiltelefon gesperrt, können sie noch immer konsumieren, dann eben auf anderen Screens als den eigenen. China ist Vorreiter, nicht Australien, mit einem qualitativen Projekt, das kein Kind mehr umgehen kann. Der Gesetzgeber zwingt die Provider, das Gesichtsscreening zu nutzen, und dann je nach den vorgegebenen Altersstufen ohne Ausnahme und mit keiner Chance auf Betrug, Altersstufen und diesen zugelassener Nutzungsdauer einzuhalten. Wie? Nun, ob Mobiltel., Tablet, Laptop oder PC, alle dortigen Monitore erfassen mit Einschalten das vor ihnen liegende Gesicht. Ein Kind im Alter von z.B. sieben Jahren, das, z.B. wöchentlich nur zehn Stunden vor dem Bildschirm verbringen darf, wird von einem Roboter sofort identifiziert. Der weiß auch, wieviel Stunden schon abgenutzt wurden, und schaltet automatisch aus, wenn das Limit erreicht ist. Das ist vom Provider unabhängig und funktioniert altersgerecht abgestuft für jedes Gesicht. So können sich die Eltern zurücklehnen, auch in ihrer Abwesenheit wird das Kind niemals länger Social Media nutzen oder Videos schauen, als vom Gesetzgeber zugelassen. Verbote sind nicht nötig und umgehen kann man das nicht.