Frackinggas statt Windkraft
Von Gerrit Hoekman
Der universal gelehrte US-Präsident Donald Trump hält bekanntlich Windkraftanlagen nicht nur für potthässlich, sondern auch brandgefährlich. Besonders »all beautiful birds«, alle schönen Vögel, würden durch die Rotoren geschreddert. Ob Tierliebe der Grund ist, warum die US-Regierung dem französischen Energiekonzern Total Energies nun 928 Millionen Dollar zahlt, damit der seine zwei Offshore-Windkraftprojekte vor der US-Ostküste einmottet, darf bezweifelt werden. »Demnach wird das Unternehmen Kapital von teuren und unzuverlässigen Offshore-Windparklizenzen in kostengünstige und zuverlässige Erdgasprojekte umleiten, die eine sichere Energieversorgung für die hart arbeitenden Amerikaner gewährleisten sollen«, teilte das US-Innenministerium am Montag (Ortszeit) auf seiner Internetseite mit. Total Energies hatte unter Trump-Vorgänger Joe Biden für 928 Millionen Dollar zwei Lizenzen für Windanlagen vor der Küste von New York und North Carolina erstanden.
Diese Summe wird den Franzosen nun rückerstattet. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sie sie investieren in den Ausbau eines LNG-Werks in Rio Grande, die Erschließung neuer Ölquellen im Golf von Mexiko und die Förderung von Schiefergas. »Diese Vereinbarung ist ein weiterer Erfolg für Präsident Trumps Engagement für eine bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung für alle Amerikaner«, frohlockte Innenminister Doug Burgum auf der Internetseite des Ministeriums. »Offshore-Windkraft ist eines der teuersten, unzuverlässigsten, umweltschädlichsten und subventionsabhängigsten Projekte, die amerikanischen Strom- und Steuerzahlern je aufgezwungen wurden.«
Was das Innenministerium verschweigt: Mit der Nutzung der Windkraft soll eine unliebsame Konkurrenz für die mächtige Öl- und Erdgasindustrie in den USA ausgeschaltet werden. Trump will die bereits bestehende Vormachtstellung der USA auf dem Weltmarkt deutlich ausbauen. Das Land soll die mit Abstand größte Supermacht auf dem Globus sein, betonte Trump Ende Februar bei einer Rede im texanischen Corpus Christi am Golf von Mexiko.
Zumindest dabei befinden sich die USA auf gutem Weg. Nachdem die Gewinne der US-Energiekonzerne im vergangenen Jahr einbrachen, steigen sie seit dem Angriff auf den Iran wieder deutlich. Laut dem Newsletter »Energy Flux« verdoppelte sich die Gewinnspanne bei Exporten von LNG nach Europa innerhalb weniger Tage, weil zum Beispiel der Golfstaat Katar, bislang der Marktführer für Flüssigerdgas, durch die iranische Blockade der Straße von Hormus weitgehend vom Weltmarkt abgeschnitten ist.
Beim Erdöl sieht es nicht anders aus: »Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt. Wenn also die Ölpreise steigen, verdienen wir viel Geld«, rieb sich Trump unlängst auf seinem hauseigenen Portal »Truth Social« die Hände. Genaugenommen verdienen sich natürlich nur Trumps Freunde dumm und dämlich. Es war vor allem die Ölindustrie, die seinen Wahlkampf finanzierte. John Addison, der US-Chef von Vitol, einem der größten globalen Rohstoffhändler, spendete ihm laut Handelsblatt zum Beispiel sechs Millionen Dollar. Jetzt verkauft Vitol einen Teil des von Venezuela geraubten Öls weiter.
Die Erstattung an Total Energies leite »das Geld direkt an Öl- und Gasmanager weiter«, kritisierte Lena Moffitt, die Geschäftsführerin der Klimaschutzorganisation Evergreen Action, laut der Onlineausgabe der britischen Tageszeitung The Guardian am Montag. »Trump verschärft bewusst unsere Abhängigkeit von denselben volatilen Märkten für fossile Brennstoffe, die sein rücksichtsloser Krieg destabilisiert – und zerstört gleichzeitig die Nutzung heimischer sauberer Energieträger«, so Moffitt. Total Energies sieht die Abmachung mit der Trump-Regierung pragmatisch. Die Entwicklung von Offshore-Windprojekten liege eben »nicht im nationalen Interesse«, erklärte CEO Patrick Pouyanné am Montag. Die Investition in andere Sektoren werde »dazu beitragen, Europa mit dringend benötigtem LNG aus den USA zu versorgen«.
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