Gegründet 1947 Donnerstag, 19. März 2026, Nr. 66
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Online Extra
18.03.2026, 18:34:26 / Ausland

US-Geheimdienstanalyse stellt Trumps Begründung für Iran-Krieg infrage

2026-03-18T164412Z_923606255_RC227KAH0RCS_RTRMADP_3_IRAN-CRISIS-
Tulsi Gabbard am Mittwoch in Washington

Washington. Eine US-Geheimdienstanalyse stellt die Begründung von US-Präsident Donald Trump für den Iran-Krieg infrage. Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard erklärte am Mittwoch, Iran habe seine Nuklearanlagen seit den Luftangriffen vom vergangenen Juni nicht wieder aufgebaut. Trump hatte den Krieg unter anderem damit begründet, Teheran stehe kurz vor dem Bau von Atomwaffen und könne damit »bald« sogar die USA angreifen.

Durch die Angriffe im Juni 2025 sei Irans Atomanreicherungsprogramm »vernichtet« worden, bekräftigte Gabbard in ihrer schriftlichen Erklärung vor einer Anhörung im Geheimdienstausschuss des Senats. »Seitdem hat es keinerlei Bemühungen gegeben, die Anreicherungskapazitäten wieder aufzubauen«, heißt es darin unter Berufung auf Erkenntnisse der Geheimdienste.

Trump hatte die Luftangriffe der USA und Israels seit dem 28. Februar mit einer »unmittelbar bevorstehenden Bedrohung« durch das iranische Atomprogramm begründet. In seiner Rede zur Lage der Nation am 25. Februar hatte er dem Iran zudem vorgeworfen, »Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten von Amerika erreichen werden«.

Ein ranghoher direkter Untergebener Gabbards, Joseph Kent, war am Dienstag aus Protest gegen den Iran-Krieg zurückgetreten. Der Leiter des Nationalen Terrorabwehr-Zentrums (NCTC) schrieb in einem offenen Brief an Trump, vom Iran sei »keine unmittelbare Bedrohung« für die USA ausgegangen. Vielmehr hätten die USA »diesen Krieg wegen Drucks aus Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby begonnen«.

Gabbard erwähnte die in ihrer schriftlichen Erklärung dargelegten Geheimdiensterkenntnisse zum iranischen Atomprogramm in ihrer mündlichen Aussage vor dem Ausschuss allerdings nicht. Auf Nachfrage eines demokratischen Senators sagte sie, dafür habe sie nicht genug Zeit gehabt. (AFP/jW)

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.