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Schön war die Zeit

Von Marco Bertram
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Ach, Junge, schau dir den Schal an

265 Jahre – das ist eine Menge Holz. Kein Wunder, dass beim Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit beim Mariendorfer Derby die Emotionen hochkochten. Während Blau-Weiß 90 Berlin bereits in der ersten und zweiten Bundesliga seine Visitenkarte abgegeben hatte, waren die Vorgängervereine des TSV Mariendorf 1897 (TSV Helgoland 1897 und Mariendorfer SV 06) nur im lokalen Fußballbetrieb anzutreffen. Nachdem Blau-Weiß 90 vor acht Jahren in die NOFV-Oberliga aufgestiegen war, teilte man sich phasenweise das Volksparkstadion Mariendorf; meist trägt hier der TSV Mariendorf 1897 seine Heimspiele aus. Da der Rasen gerade gesperrt ist, wird nebenan auf dem Kunstrasenplatz gespielt. Ein Grund, weshalb Sonntag lediglich rund 30 Blau-Weiß-Fans da waren – von insgesamt rund 100 Zuschauern, die das Derby sehen wollten.

Das Bezirksamt hat um die beiden Kunstrasenplätze Bauzäune aufstellen lassen, wegen der Jugendlichen abends. Grauer Himmel, kühle Brise und die Bauzäune – gemütlich war es nicht. Weil die Bratwurst langweilig schmeckte, war der Kuchenstand gegenüber ein Lichtblick. Erste Sahne.

Nicht eben erste Sahne das Spiel, aber es lebte von den Emotionen. Nach bereits 35 Minuten musste TSV-Spieler Kasola mit Gelb-Rot vom Platz; eine Viertelstunde zuvor hatte Maurice Froelian mit einem satten Schuss zum 1:0 für Blau-Weiß 90 vollenden können. Richtige Stimmung wollte trotzdem nicht aufkommen, allerdings liefen einige Zuschauer, die dem TSV die Daumen drückten, schon mal warm. In der Halbzeitpause wurde ein kleines Megafon getestet, in der Nachspielzeit sollte es zum Einsatz kommen. Blau-Weiß 90 vergab mehrere Möglichkeiten und hätte den Sack locker zumachen können. Dann rief das berühmte Phrasenschwein und forderte den Fünfer ein. Einen wuchtigen Freistoß konnte der Blau-Weiß-Torwart souverän abwehren, als aber in der 90. (plus 2) Minute der Ball erst an den Pfosten prallte und vor den Füßen Daniel Veilerts landete, hatte der Tormann keine Chance. 1:1 für den TSV Mariendorf, ein paar Jugendliche drehten am Rad. Ein Sprung auf den Kunstrasen, wüste Rufe Richtung Blau-Weiß-Fans, die waren pappsatt. Wütende Ü-50-Fans ließen die jungen Leute aber machen. Bei ein, zwei Abschiedsbieren beim Imbiss des Vertrauens wurde über alte Zeiten sinniert. Ach, Mensch, die fünf Jahre Oberliga waren echt nett. Auswärts in Torgelow, in Pampow, bei Hansa II.

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