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Aus: Ausgabe vom 14.03.2026, Seite 1 / Ansichten

Geheimdienst als Zensor

Der Plan hinter Weimers Kulturkampf
Von Nick Brauns
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Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt vor einer Kabinettssitzung ( Berlin, 11.3.2026)

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat die für den Deutschen Buchhandelspreis vorgesehenen Geschäfte vom Bundesamt für Verfassungsschutz durchleuchten lassen, um dann drei Händler mit explizit linkem Sortiment von der Liste zu streichen. Alexander Dobrindt leckte Blut. Schließlich bietet sein Ministerium bereits seit 2017 den »Service« für andere staatliche Stellen an, Personen und Nichtregierungsorganisationen mit seinen Geheimdienstdatenbanken abzugleichen. In den letzten Jahren kam es bereits zu Tausenden solchen Überprüfungen. Nicht genug, meint CSU-Mann Dobrindt. Staatliche Stellen sollten nicht nur punktuell in besonderen Verdachtsfällen, sondern flächendeckend für finanzielle Zuwendungen vorgesehene Bürger, Projekte und NGOs heimlich vom Verfassungsschutz überprüfen lassen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung und erkennt einen größeren Plan hinter Weimers Kulturkampf.

Als Zensor im Bereich dessen, was gemeinhin als demokratische Zivilgesellschaft bezeichnet wird, wirkt der Inlandsgeheimdienst bereits, wenn keine staatlichen Mittel fließen. So wird etwa die junge Welt aufgrund ihrer marxistischen Orientierung im Verfassungsschutzbericht als »extremistische Bestrebung« diffamiert. Ziel sei es, ihr damit den Nährboden zu entziehen, macht die Bundesregierung keinen Hehl aus ihrer Intention, der Tageszeitung wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.

Der deutsche Inlandsgeheimdienst wurde im Kalten Krieges von Altnazis als Rammbock gegen links aufgebaut. Zu diesem Zweck förderten seine Agenten auch ihre Gesinnungskameraden in der faschistischen NPD, der im gescheiterten Verbotsverfahren darum gerichtlich »fehlende Staatsferne« attestiert wurde. Inzwischen lässt der Verfassungsschutz die Peitsche öfters auch nach rechtsaußen knallen, um die dort erstarkte blaue Konkurrenz gefügig zu machen. An der antikommunistischen DNA der Behörde hat sich dadurch nichts geändert.

Selbst im begrenzt demokratischen Rahmen des bürgerlichen Parlamentarismus erscheint ein unkontrollierter Geheimdienst, der von der Regierung zur Gängelung von Opposition und Anprangerung unliebsamer Meinungen eingesetzt wird, als Fremdkörper. Der Verfassungsschutz gehört abgeschafft!

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (14. März 2026 um 20:49 Uhr)
    Das Bundesamt für Verfassungsschutz ist kein unkontrollierter Geheimdienst. Er wird gezielt eingesetzt, aber halt mit allen Mitteln der ideologischen Vernebelung, die auf der Wahrnehmungsebene wie eine schwache Kontrolle erscheinen. Ein Fremdkörper ist er auch nicht, sondern initialer und integraler Bestandteil dieses Staates. Hierzu ein Zitat: »Das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde am 7. November 1950 durch die Initiative der Alliierten Hohen Kommissare John Jay McCloy, Ivone Kirkpatrick und André François-Poncet aufgrund des Bundesverfassungsschutzgesetzes vom 27. September 1950 gegründet. Sein erster Standort war in einem angemieteten Gebäude in Köln in der Straße «Unter Sachsenhausen» unweit des Hauptbahnhofs. Bereits vorher betrieb die United States Army in Deutschland eine Tarneinrichtung namens «Amt für Verfassungsschutz», deren Agenten unter anderem die Aufgabe hatten, Informationen über die 1945 wieder zugelassene KPD zu sammeln. Der Aufbau in der Gründungsphase wurde von den Sicherheitsdirektoren der Hohen Kommissare bis in Details gelenkt, um sicherzugehen, dass keine neue Gestapo entstehen könnte. Dies blieb weiter ein zentrales Leitmotiv für die organisatorische Entwicklung des Bundesamts. Darüber hinaus bestimmten die Alliierten nicht nur den ersten Präsidenten des Bundesamts, Otto John, aus den Vorschlägen der Bundesregierung, sondern kontrollierten und genehmigten die Einstellung des Personals, so dass ehemalige Angehörige der verbrecherischen NS-Organisationen Gestapo, SS und SD des Reichssicherheitshauptamts dort zunächst nicht offiziell beschäftigt wurden. Durch Unterstützung von Funktionären wie Richard Gerken konnten jedoch hochrangige Mitglieder der NS-Diktatur wieder in Ämter des Geheimdienstes gehoben werden.« Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesamt_f%C3%BCr_Verfassungsschutz Wie die Süddeutsche Zeitung erkenne auch ich einen größeren Plan hinter Weimers Kulturkampf, allerdings auch hinter Dobrindts flächendeckenden Plänen.

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