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Aus: Ausgabe vom 10.03.2026, Seite 5 / Inland
Unterschiede im Einkommen

Ost-West-Lohnlücke wächst

Wagenknecht kritisiert »inakzeptablen Rückstand« bei Gehaltsangleichung
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Das Centrum-Warenhaus am Berliner Alexanderplatz 1971, einst Konsumtempel der Ostdeutschen

Die Lohnlücke zwischen den fünf ostdeutschen Bundesländern und der alten BRD wird einfach nicht kleiner. Ganz im Gegenteil. Mehr als drei Jahrzehnte nach der Einverleibung der DDR ist der Einkommensunterschied zwischen Ost und West 2025 wieder gewachsen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts, über die am Montag dpa berichtete, lag das mittlere Haushaltseinkommen im Westen netto bei 39.598 Euro im Jahr, im Osten bei nur 33.764 Euro. Die Differenz war 5.834 Euro und damit 540 Euro größer als 2024 (5.294 Euro). Die Zahlen hat das Bündnis Sahra Wagenknecht beim Bundesamt in Wiesbaden abgefragt.

Betrachtet man die Zeit seit 2022, ist der Trend zwar insgesamt leicht positiv: Prozentual ging die Lücke von 16,2 auf 14,7 Prozent 2025 zurück. Doch das Jahr 2024 war mit 13,9 Prozent ein Ausreißer. Verglichen wurden hier die Nettoeinkommen der Haushalte im Mittelwert. Eine Rolle spielen könnten auch Zins-, Miet- oder sonstige Einkünfte, die im Osten seltener sind.

Untersuchungen zeigen, dass bei vergleichbarer Tätigkeit Ostdeutsche im Schnitt deutlich weniger verdienen. Auf Branchenebene zeigt sich, dass in bestimmten Bereichen nach wie vor überdurchschnittliche Lohnlücken zwischen Ost und West bestehen. Das gilt insbesondere in der Industrie und dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass es in Ostdeutschland weniger Großbetriebe im verarbeitenden Gewerbe gibt, stellte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Analyse 2025 fest. Hinzu kommt: In Ostdeutschland werden Führungspositionen überproportional oft von Westdeutschen besetzt. Nur 13 Prozent der Richter im Osten sind gebürtige Ostdeutsche, und in den Dax-Vorständen finden sich kaum Personen mit ostdeutschen Wurzeln.

Parteigründerin Sahra Wagenknecht kritisierte die Einkommenslücke und erklärte sie mit der im Osten stärker steigenden Arbeitslosigkeit. »Wenn ostdeutsche Haushalte im Mittel fast 6.000 Euro im Jahr weniger zur Verfügung haben, dann ist das 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ein inakzeptabler Rückstand«, meinte Wagenknecht laut dpa.

Experten weisen darauf hin, dass auch Mieten und Lebenshaltungskosten in einigen ostdeutschen Regionen geringer sind als in westdeutschen. Aus den Daten des Bundesamts geht zudem hervor, dass das Bild in Ost und West immer vielfältiger wird: So lag das verfügbare mittlere Nettoeinkommen der Haushalte in Thüringen mit 34.440 Euro im vergangenen Jahr höher als in Bremen mit 32.729 Euro. (jW)

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