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Aus: Ausgabe vom 09.03.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Das Unpolitische in der Kultur

In der DDR konnte sich jeder gute, anspruchsvolle, auch unterhaltsame und viel geistreiche Kultur leisten. Sie war immer auch politisch. Wie kann das anders sein, wo es mit Politik und Kultur um Interessen geht, schließlich um Klassenkampf? (…)

Das Kulturhauptstadtspektakel um Chemnitz liegt hinter uns. Der »Nischel« durfte stehenbleiben. Ganz wohl scheinen sich die DDR-Kulturstürmer wohl nie gefühlt zu haben. Zumindest musste der Name der Stadt getilgt werden. Sie heißt seit 1990 wieder Chemnitz. So ist es mit der »unpolitischen« Kultur. Da half es auch nicht, wenn eine ZDF-Umfrage zu »Unseren Besten« nach ­Adenauer und Luther, Karl Marx auf Platz drei der Bestenliste sah.

Das westliche »Unpolitische« haben wir vier Jahrzehnte in der DDR täglich hören und sehen dürfen. Es war nicht verboten, wie bis heute gern behauptet wird. Mit Glanz und Glimmer, vollen Schaufenstern und allen möglichen freiheitlichen, kulturellen Blödheiten, seichter Unterhaltung fiel es nicht sehr schwer, der DDR-Kultur oft den Rang abzulaufen. Aber wir hatten am Ende immer noch beides, konnten auch in der »Diktatur« ungestraft dazwischen wählen. Was eine Berlinale uns als unpolitisch verkaufen will, wie politisch auf Meinungsäußerungen im Stil des erbitterten Klassenkampfes reagiert wird, dann meine ich: Wir leben in einer politischen Meinungsdiktatur! Alle Schauer- und Gruselgeschichten, die bis heute unter »Zeitzeugen« die Runden drehen, sind geradezu Lachnummern. Zu DDR-Zeiten konnte sie zumeist als Witz erzählt werden, über die gelacht werden durfte.

Das »Unpolitische« an der Berlinale hat dagegen einen sehr ernsten Hintergrund: In zunehmend politisierten Zeiten, die geprägt sind von Krieg, Krisen, Völkermord, Gewalt, Hass, Hetze, Rüstung und Kriegstreiberei, kann Kultur – und damit auch Sport – nicht mehr abseits stehen oder sich unpolitisch gerieren, ohne dass ein Publikum dem widerspricht, sich sogar mal eine Meinung leistet. Wer sich traut, kann schneller als gedacht auf der Abschussliste stehen. Überhaupt, wie unpolitisch kann das Kultur- und Filmgeschehen unserer Tage sein, wenn es Aktuelles darstellen und erzählen will, es auch nur halbwegs wirklichkeitsnah an das Publikum bringen will, ohne Zuschauer und -hörer, ohne Kulturkonsumenten noch mehr zu verblöden als es bereits geschieht?

Roland Winkler, Aue

Freiwillige Selbstaufgabe

Zu jW vom 2.3.: »Die Hoffnung Kubas«

»Schade, dass dem westdeutschen Kapital so kampflos das Feld überlassen wurde«, schreibt Joachim Becker aus Eilenburg. Das bedauere ich ebenfalls und denke dabei stets an eine Zeile aus dem Solidaritätslied: »Reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein.« Als das DDR-Volk selber hätte reden können (was nur während einer kurzen Zeitspanne möglich war), wollte die Mehrheit des Volkes eben nicht selber reden. Statt dessen der Ruf: »Helmut, nimm uns bei der Hand, führ’ uns ins Wirtschaftswunderland!« Die Älteren erinnern sich. Für mich war das Fremdschämen hoch zehn! Damals dachte ich: »Wie könnt ihr nur«, um mit Erich Kästner zu sprechen, »so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!« Anlässlich des 3. Oktobers 2025 hörte ich im DLF jemanden sagen, dass die Menschen im Osten 1990 »etwas Neues« wollten. Etwas Neues? Mit Verlaub, man kehrte mehrheitlich freudig zum alten Kapitalismus zurück; zu einem Kapitalismus von großer Attraktivität, zugegeben, aber auch von großer Rücksichtslosigkeit. Was für ein Bild bieten uns denn die Kapitalisten, die nun seit über 35 Jahren wieder »unter sich« sind? Sie haben, vornehm ausgedrückt, »geopolitische Interessen«, aber im Grunde ist es schnöder, tierischer Futterneid, der sich da zeigt! Die können doch, für alle sichtbar, nicht in Frieden miteinander leben! Das ist schon 1914 so gewesen, als noch kein »kommunistischer Unrechtsstaat« das gute imperialistische Einvernehmen hätte stören können.

Die Einheit war »eine feindliche Übernahme auf Wunsch der Übernommenen« (Zitat Daniela Dahn), und mich nervte und nervt immer noch dieses Gerede von der »friedlichen« Revolution. Wenn ich dem Kapital ohne Gegenwehr das Volkseigentum überlasse, dann geht – Kunststück! – die Sache natürlich friedlich über die Bühne, wie wir gesehen haben. Aber dann ist es keine Revolution, sondern eine freiwillige Selbstaufgabe. (…)

Margitta Mattner, per E-Mail

Zu viele

Zu jW vom 25.2.: »Kliniksterben als Programm«

In der verhassten BRD existiert eine Unmenge von gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Diese Kassen bieten in etwa alle dasselbe. Jede Krankenkasse hat einen immensen Verwaltungsapparat mit einem hochbezahlten Vorstand. In der DDR hatten wir die Krankenversorgung für die in Betrieben und Einrichtungen beschäftigten Werktätigen. Für bestimmte Gruppen gab es die Staatliche Versicherung der DDR. Die Menschen der DDR waren gesundheitlich versorgt. Warum müssen in der BRD exorbitant viele Krankenkassen existieren?

Hermann Schillack, per E-Mail

Sozialismus muss erkämpft werden

Zu jW vom 28./29.2.: »Den Krieg bekämpfen«

Auch die Nationale Volksarmee der DDR hat wahrlich zum Frieden in Europa beigetragen. Sie hat entgegen anderer Behauptungen niemals Kriege geführt bzw. sich – im Gegensatz zur Bundeswehr der BRD – an Kriegen beteiligt. Heute, fünfunddreißig Jahre nach dem Zusammenbruch der realsozialistischen Länder, ist die Welt nicht friedlicher geworden. Im Gegenteil: Die Konflikte nehmen weltweit immer weiter zu und auch die Gefahr eines dritten Weltkrieges steigt ständig weiter. Deshalb gilt auch weiterhin: Nur im Sozialismus ist wahrer Frieden möglich. Aber der Sozialismus muss erst wieder erkämpft werden.

Joachim Becker, Eilenburg

35 Jahre nach dem Zusammenbruch der realsozialistischen Länder, ist die Welt nicht friedlicher geworden. Im Gegenteil: Die Konflikte nehmen weltweit immer weiter zu und auch die Gefahr eines dritten Weltkrieges steigt ständig weiter.

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