Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Das iranische Volk ist das Opfer«
Zu jW vom 3.3.: »›Das iranische Volk entscheidet über die Zukunft des Iran‹«
Gut, dass die jW und die UZ die Tudeh-Erklärung abgedruckt haben. Ein Blick zurück. Anfang März 1979 konnte der Autor dieser Zeilen aus Teheran seinen ersten Korrespondentenbericht an die Tageszeitung Unsere Zeit senden. Er handelte von den Verhandlungen um einen iranischen Verfassungsentwurf, der zu den besten Hoffnungen Anlass bot, und von der verstaatlichten Ölindustrie. Als Vertreter von Unsere Zeit war er nach Teheran entsandt worden. Bis Anfang Juni erschienen seine Berichte.
Die Überschriften wechselten von »Die Tudeh-Partei ruft zur Einheit des Volkes« und »Zwei Linien für den Aufbau des neuen Iran« bis hin zu »Reaktion greift Errungenschaften des Volkes an« und »Springers ›Welt‹ wünscht sich einen antikommunistischen islamischen Kreuzzug«. Und den hat es dann gegeben. Nur wenige Jahre konnten die Kommunisten (Tudeh-Partei) legal arbeiten. Dann wurden sie wie Tausende andere Linke verfolgt, unzählige ermordet.
Noch 1981 galt in der kommunistischen Bewegung dies: »Von neuen Siegen war der revolutionäre Kampf der Völker gekennzeichnet.« Das verkündete der Bericht an den 26. Parteitag der KP der UdSSR im Februar 1981. »Beweise dafür sind u. a. der Sturz des volksfeindlichen, monarchistischen Regimes in Iran.« In den 70er Jahren sei die Liquidierung der Kolonialreiche faktisch abgeschlossen worden. Und zum Iran hieß es: »Einen besonderen Charakter hat die Revolution in Iran, die zu einem großen Ereignis im internationalen Leben der vergangenen Jahre geworden ist. Bei all ihrer Kompliziertheit und Widersprüchen ist sie ihrem Wesen nach eine antiimperialistische Revolution, obwohl die innere und äußere Reaktion ihren Charakter zu verändern trachtet.« Die Reaktion siegte. Und heute bekriegt der Imperialismus das reaktionäre Regime in Iran mit aller Brutalität, um das Schahregime wieder an die Macht zu bringen. Das iranische Volk ist in jedem Fall das Opfer.
Ulrich Sander, Dortmund
»Nie wieder, für alle«
Zu jW vom 4.3.: »Warum ist Buchenwald kein geeigneter Ort?«
Ich als Tochter eines politischen Buchenwald-Häftlings, der zugleich auch rassisch verfolgt war (»Mischling 1. Grades«), kann nur sagen: Die Interviewte stellt die Sache falsch dar. So gibt es ein generelles Verbot, die Kufija zu tragen, zumindest wird es als generelles Verbot gehandhabt. Auch mir wurde es im letzten Jahr sehr zum Befremden umstehender Besucher untersagt, eine Kufija zu tragen. Für mich war das Tragen der Kufija als Halstuch in der Kälte aus gesundheitlichen Gründen sehr wichtig. Die Argumentation, es wäre ein Einzelfall gewesen, ist also allein durch mein Beispiel schon nicht stichhaltig.
Ich selbst bin nirgendwo organisiert – insofern ist der Verweis auf eine unliebsame Organisation ebenfalls nicht haltbar. Ich fand das Verhalten der Buchenwald-Leitung bei der Gedenkfeier im vergangenen Jahr unerhört. Ja, ich finde, dass der Schwur von Buchenwald, den mein Vater geleistet hat, durch dieses Verhalten, angefangen von der Ausladung Omri Boehms bis hin zum Schwenken israelischer Fahnen, nachdem gerade eben 15 Sanitäter abgeschlachtet worden waren, bis hin zu dem Antisemitismusvorwurf an die junge Spanierin, in den Schmutz getreten wird.
Antifaschismus gilt nicht nur für die Vergangenheit, sondern erst recht für die Gegenwart und Zukunft. Gerade eine Gedenkstätte sollte dem Rechnung tragen. Deshalb kann und muss in Buchenwald das universale Menschenrecht, das sich im »Nie wieder, für alle« manifestiert, Thema sein. Es kann und darf nicht sein, dass bestimmte Menschengruppen ausgeschlossen, ausgegrenzt werden, wie es in Buchenwald geschah und durch die »Handreichung« weiterhin geschieht. Universelle Menschenrechte für alle!
Verena Weisbecker, per E-Mail
Amén und gute Nacht
Zu jW vom 4.3.: »Knapp 800 Tote in Iran«
Europäer, lernt Spanisch! Das Beispiel der aktuellen spanischen Außenpolitik demonstriert, wie es sich zu verhalten gilt, wenn man nicht Teil eines Problems sein, sondern zu seiner Lösung etwas beitragen will. Auch wenn es richtig ist zu vermuten, dass der Krieg gegen den Iran sich ganz wesentlich gegen die Ölzufuhr nach China richten soll und Israel dabei zur mächtigsten US-Militärbasis im Nahen Osten ausgebaut wird, sollten wir nicht vergessen, dass Europa (unter Einbeziehung Russlands) immer noch eine Schlüsselrolle im Kampf der Ideologien spielt und vom Hegemon entsprechend instrumentalisiert wird.
(…) Von den Kommandeuren der USA wird den Soldaten mit auf den Weg gegeben. Ein Unteroffizier berichtet: »Er (der Kommandeur) forderte uns auf, unseren Truppen zu vermitteln, dass dies alles Teil von Gottes himmlischem Plan sei, und bezog sich dabei ausdrücklich auf zahlreiche Stellen aus der Offenbarung des Johannes, die sich auf Armageddon und die bevorstehende Wiederkunft Jesu Christi beziehen. Präsident Trump sei von Jesus selbst auserwählt worden, im Iran das Signalfeuer zu entzünden, um Armageddon herbeizuführen und seine Rückkehr auf die Erde anzukündigen.« (T-online, 4.3.2026)
Harry Belafonte benannte im Interview mit Günter Amendt Europa als den wichtigsten Ort, um den es gehe: »Hier ist es, wo die größten Lügen erzählt werden. Denn die Reaktion wird Europa benutzen, um seine unheilvollen Absichten zu verwirklichen. Hier will Europa testen, ob es fähig ist zu gewinnen (…). Wenn ich Europäer wäre, würde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen gegen das, was Reagan ankündigt. Ich würde auf jeden Fall meine Stimme erheben.« (»Was mich bewegt«, Konkret Literatur-Verlag, 1982) – Kann man heute auch auf Trump beziehen. Amen.
Manfred Pohlmann, Hamburg
Europäer, lernt Spanisch! Das Beispiel der aktuellen spanischen Außenpolitik demonstriert, wie es sich zu verhalten gilt, wenn man nicht Teil eines Problems, sondern zu seiner Lösung etwas beitragen will.
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