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Greif und Bär

Von Marco Bertram
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Das Runde muss ins Eckige. Aber am besten nicht ins eigene (Berlin, 27.2.2026)

Über 2.000 Zuschauer fanden sich am vergangenen Freitag abend auf den Rängen des Berliner Sportforums ein, um das Heimspiel des BFC Dynamo gegen die Hertha-Bubis zu sehen. Eine passable Hausnummer, wenn man bedenkt, dass aufgrund des Streiks nur die S-Bahn fuhr. Die einzige Möglichkeit, mit dieser halbwegs dicht heranzufahren, bot die Haltestelle Landsberger Allee. Vor sieben, acht Jahren kamen zu Heimspielen im Jahn-Sportpark gegen Nordhausen und Meuselwitz mitunter nur 800 Fußballfreunde, und selbst bei manchen Partien gegen Lok Leipzig und Chemnitz wurde die 2.000er-Marke nicht geknackt. In der Fanszene des BFC Dynamo hat sich einiges getan. Die Gruppierungen konnten zahlreiche junge Leute für sich gewinnen, deshalb gibt der aktive Fanblock bei den Heimspielen ein kompaktes Bild ab. Zentral auf der Gegengerade positioniert, links und rechts rahmen weinrote und weiße Bänder das Epizentrum ein, eine gute Beflaggung am Zaun und im Blick rundet das Ganze ab. Zählt man die Leute durch, kommt man schnell auf über 300 BFC-Fans, die eng beisammenstehen und dauerhaft für Stimmung sorgen.

Am Freitag ließen sich am Vereinsheim auch ein paar Anhänger von Ruch Chorzów sehen, die eine Freundschaft mit Pogoń Szczecin pflegen. Ja, die Freundschaft zwischen den Fans des BFC Dynamo und MKS Pogoń Szczecin ist jetzt offiziell! Bereits seit 2009 gab es entsprechende Kontakte, doch lagen diese zwischenzeitlich mehr oder weniger auf Eis. Zum Duell Pogoń vs. Arka Gdynia reisten rund 200 BFC-Fans an; in Form einer schmucken Choreo auf der Heimtribüne wurde die Freundschaft nun offiziell besiegelt. Greif und Bär. Portowcy und Plattenbau Ost nun Seite an Seite auf großer Bühne, schließlich hat Pogoń auch eine weitere Freundschaft mit Feyenoord Rotterdam. Kein Wunder also, dass im BFC-Sortiment bereits Anti-Ajax-Aufkleber auftauchten. Fantechnisch spielt der BFC im Konzert der Großen, doch sportlich muss man in der Regionalliga Nordost aufpassen, dass Chemie Leipzig und der FC Eilenburg im Abstiegskampf nicht vorbeiziehen. Mit einem klasse Distanztreffer von Willi Reincke ging der BFC gegen Hertha II früh mit 1:0 in Führung, doch aufgrund eklatanter Abwehr- und Aufbaufehler ging die Partie am Ende mit 1:3 verloren. ­Parallel konnte Kellerkind Eilenburg mal eben gegen den Tabellenzweiten Carl Zeiss Jena mit 2:1 gewinnen und somit zum BFC aufschließen.

Im Raum steht eine mögliche Regionalligareform, und es wäre bitter, wenn ausgerechnet dann der BFC Dynamo das Ganze mal wieder vergeigt. Unvergessen ist die NOFV-Oberligasaison 2007/08, als aufgrund einer Reform vier Vereine in die Regionalliga aufsteigen durften und der BFC Dynamo am Ende mal eben unglücklicher Fünfter wurde. Also, dann: Fehler brauchen sich nicht zu wiederholen. Arsch hoch, am Finger ziehen! Sport frei!

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