Hurra, wir fahren zur WM!
Von André Dahlmeyer
In der Nacht auf Sonntag ging erstmals im schönen Paraguay die zwölfte Edition der U20-Copa-América der Frauen zu Ende. Begonnen hatte das Turnier am 4. Februar. Die letzte Austragung vor zwei Jahren in Ecuador hatte Brasilien gewonnen, meiner Ansicht nach sind das die besten Frauenfußballnationen des Kontinents. Wie üblich startete die Südamerikameisterschaft in zwei Fünfergruppen. Die jeweils drei Besten trafen sich anschließend zum sogenannten Hexagonal (Punkte wurden nicht übernommen), wo noch mal jeder gegen jeden kickte und sich am Ende die vier besten Teams für die U20-WM qualifizierten, die im September in Polen ausgetragen wird.
Die Gruppenphase wurde in Villa Elisa und Asunción gespielt. Villa Elisa liegt vor den Toren der Hauptstadt und zählt etwa 70.000 Einwohner. Die Stadt entstand als Kolonie von schwedischen, finnischen, dänischen, belgischen und deutschen Siedlern um die vorletzte Jahrhundertwende. Gespielt wurde dort im Stadion des Traditionsvereins Sol de América, Spitzname: El Danzarín (Der Tänzer). Der zweimalige paraguayische Meister ist vergangenes Jahr zum fünften Mal aus der Primera División abgestiegen. Den ersten Titel holte man 1986, Meistertrainer war niemand geringeres als der Donauschwabe Ferenc Puskás. Paraguay ist als einziges Land Südamerikas offiziell zweisprachig (Castellano und Guaraní), in der Hauptstadt Asunción (weniger Einwohner als Hannover) hört man auch immer wieder Japanisch und antikes Deutsch, das überwiegend die Mennoniten mitbrachten. In Paraguay gibt es nichts, was es nicht gibt, etwa Paul-von-Hindenburg-Straßen.
Die Chileninnen hatten ihre Rollköfferchen noch nicht richtig ausgeräumt, da konnten sie schon wieder einpacken – ist doch viel schöner unter der Smogglocke von Santiago, subtropische 40 Grad gibt’s dort nie und auch keine paramilitärischen Moskitos. Gleich im Eröffnungsspiel der Copa wurden sie von den Gastgeberinnen mit 0:4 verhauen, wobei die 18jährige Claudia Martínez Ovando doppelt traf. Die U17-Südamerikameisterin (Torschützenkönigin mit zehn Treffern) kickt in der Women’s Soccer League für Washington Spirit. Auch in den Folgespielen blieb Chile torlos, ergatterte aber dennoch zwei Pünktchen. Indes kassierten die Cafeteras aus Kolumbien keinen Gegentreffer und gewannen die Gruppe mit Schonkost ungeschlagen vor Venezuela (drei Treffer von Génesis Hernández) und den Gastgeberinnen, die im letzten Match mit einer Nullnummer gegen die Cafeteras den noch nötigen Punkt einsackten.
In der Gruppe B schied Bolivien punkt- und torlos (0:17) aus. Die Entscheidung fiel hier erst am letzten Spieltag. Argentinien besiegte die Brasilianerinnen nach frühem Rückstand noch mit 2:1, den Siegtreffer markierte Kishi Núñez (Boca Juniors), die Gauchas gewannen alle Spiele. Platz drei sicherte sich Ecuador mit einem 4:0 gegen und vor Peru.
Im Hexagonal blieben Brasilien und Ecuador ungeschlagen und waren nach drei Spielen durch. Beide hatten Argentinien zu null besiegt, die Brasucas machten es nicht unter einem 4:0. Dann erledigten Kolumbien (2:0 gegen Venezuela) und Argentinien (4:0 gegen Paraguay, Torschützenkönigin Kishi Núñez notierte ihre Treffer sechs und sieben) ihre Hausaufgaben und sprangen doch noch auf WM-Quali-Plätze. Die galt es am Sonnabend zu verteidigen. Die Argentinierinnen wachten gegen die Cafeteras erst in der zweiten Halbzeit auf, markierten in den letzten 20 Minuten aber drei Treffer (lupenreiner Hattrick von Mercedes Diz) und wurden Dritte. Die Paraguayas konnten ihren Heimvorteil nicht nutzen und wurden beim 1:5 gegen Ecuador regelrecht an die Wand gespielt. Mary Guerra gelang vor der Pause ein Hattrick. Nun mussten die Brasilianerinnen gewinnen und taten das 2:0. Sie holten im zwölften Turnier die elfte Copa, sie haben alle Titel gewonnen (2020 führte Corona zum Abbruch). Ebenfalls zur WM fährt Kolumbien.
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