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Aus: Ausgabe vom 19.02.2026, Seite 3 / Abgeschrieben

Die Initiative 19. Februar ruft am Jahrestag des rassistischen Massakers von Hanau zum Gedenken auf

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Berlin 19. Februar 2025: Protest zur Erinnerung an die Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau

Am 19. Februar 2020 ermordete ein Rassist in Hanau Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Ibrahim Akkuş erlag am 10. Januar 2026 den Spätfolgen seiner damaligen Schussverletzung. Die Initiative 19. Februar ruft zum Gedenken am Jahrestag auf:

Wir stehen kurz vor dem sechsten Jahrestag. Jedes Jahr, jeden Monat nennen wir neun Namen – und meinen alle Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Wir gedenken aller. Und wir meinen alle. (…) Ihre Namen sind eine Anklage. Sie fordern uns heraus, den rassistischen Normalzustand zu benennen und zu bekämpfen – im Alltag, in Behörden, in Politik, in Medien und in den Sicherheitsapparaten. (…)

Betroffenheit und Lippenbekenntnisse reichen nicht. Der Staat ist seiner Bringschuld nicht nachgekommen – bis heute nicht. Ohne juristische Aufklärung und kritische Aufarbeitung bleibt alles, wie es immer war: Die Straflosigkeit in den Behörden geht weiter. In einer Zeit, in der die Gefahr einer rechtsextremen Regierung real ist, sagen wir klar: Nie wieder ist jetzt. (…)

Unsere Botschaft zum sechsten Jahrestag ist klar: Erinnern heißt verändern. Erinnern heißt handeln. Erinnern heißt kämpfen. Erinnern heißt, zusammenzukommen und aufeinander achtzugeben. Darum rufen wir dazu auf, am 19. Februar gemeinsam zu erinnern und Say their Names überall sichtbar zu machen. (…)

Rund 80 Filmschaffende haben in einem am Mittwoch im Branchenblatt Variety veröffentlichten offenen Brief das Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern kritisiert:

Wir schreiben als Filmschaffende, die alle bereits an der Berlinale teilgenommen haben oder derzeit daran teilnehmen, und erwarten von den Institutionen unserer Branche, dass sie sich weigern, sich an der schrecklichen Gewalt zu beteiligen, die weiterhin gegen die Palästinenser ausgeübt wird. Wir sind bestürzt über die Beteiligung der Berlinale an der Zensur von Künstlern, die sich gegen den anhaltenden Völkermord Israels an den Palästinensern in Gaza und die Schlüsselrolle des deutschen Staates bei dessen Ermöglichen aussprechen.(…)

Wir widersprechen entschieden der Aussage des Jurypräsidenten der Berlinale 2026, Wim Wenders, dass Filmemachen »das Gegenteil von Politik« sei. Man kann das eine nicht vom anderen trennen. (…) Dennoch hat die Berlinale bisher nicht einmal die Forderungen ihrer Community erfüllt, eine Erklärung abzugeben, die das Recht der Palästinenser auf Leben, Würde und Freiheit bekräftigt, den anhaltenden Völkermord Israels an den Palästinensern verurteilt und sich verpflichtet, das Recht der Künstler zu wahren, sich ohne Einschränkungen für die Menschenrechte der Palästinenser einzusetzen. Das ist das Mindeste, was sie tun kann – und tun sollte. (…)

So wie das Festival in der Vergangenheit klare Stellungnahmen zu den Greueltaten gegen die Menschen im Iran und in der Ukraine abgegeben hat, fordern wir die Berlinale auf, ihrer moralischen Pflicht nachzukommen und sich klar gegen den Völkermord, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Kriegsverbrechen Israels gegen die Palästinenser auszusprechen und ihre Beteiligung daran, Israel vor Kritik und Forderungen nach Rechenschaft zu schützen, vollständig zu beenden.

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