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Aus: Ausgabe vom 17.02.2026, Seite 16 / Sport
Olympische Winterspiele

Die Materialfrage

So ging es aus: Die Rennrodelwettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen
Von Thomas Behlert
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Goldmedaillengewinnerin Julia Taubitz in der Eisrinne

Die vergangene Woche war bei den Olympischen Spielen mit Fahrten durch die von Umweltschützern und dem IOC ungeliebte Eisrinne in Cortina ausgelastet. Das IOC wollte nachhaltig agieren, doch am Ende haben sich die italienischen Veranstalter durchgesetzt und die Bahn an den Berg gehämmert.

Jeder Sportler, der die Rinne durchfährt, hat sich mit den 16 Kurven auf 1.749 Metern arrangiert. Am 10. und 11. Februar waren die Frauen an der Reihe und mussten jeweils zwei Fahrten an zwei Tagen fehlerfrei durch die Eisrinne zaubern. Olympia ist für die Einer etwas Besonderes, denn nur hier sind vier Fahrten mit dem Schlitten für die späteren Medaillenränge ausschlaggebend. Im Vorfeld gab es immer wieder Wettkämpfe, bei denen sich die deutschen Frauen und die Österreicherinnen die ersten drei Plazierungen teilten. Diesmal erlaubte sich die Weltcupführende Lisa Schulte aus Österreich kleine Fehler, kam dadurch nie auf eine passable Geschwindigkeit und wurde so nach hinten durchgereicht. Die ersten drei Plätze sicherten sich Julia Taubitz (BRD) vor der Lettin Elina Bota und der US-Amerikanerin Ashley Farquharson. Die aus dem Erzgebirge stammende Taubitz fuhr drei Läufe in Bestzeit. Ihre Saison bis zu den Olympischen Spielen war ziemlich durchwachsen. Nur einen einzigen Weltcupsieg konnte sie auf der Habenseite verzeichnen. Bei den Spielen in Beijing stürzte sie im zweiten Lauf nach einem Bahnrekord im ersten. Teamkollegin Merle Fräbel berührte diesmal im dritten Lauf die Bande, verlor so an Geschwindigkeit und kam am Ende des Wettkampfes nur auf den sechsten Rang.

Bei den Männern zauberte schon zuvor der 26jjährige Thüringer Max Langenhan: Er fuhr viermal Bahnrekord und landete mit großem Abstand (0,596 Sekunden) am 8. Februar auf dem goldenen ersten Platz. Trotz steifen Nackens ließ er Jonas Müller aus Österreich und den Italiener Dominik Fischnaller hinter sich. Bundestrainer Patric Leitner bezeichnete Max Langenhan als »coole Socke«, da er immer maximalen Speed gab, mit bis zu 131,1 Kilometern pro Stunde. Der im Vorfeld bereits als zukünftiger Olympiasieger vorgestellte Felix Loch überzeugte bei seinen letzten Olympischen Spielen nicht. Er baute zu viele Fahrfehler ein, berührte gar im ersten Lauf die Bande und kämpfte im dritten Lauf in Kurve vier mit einer Bahnberührung. Der Chemnitzer Timon Grancagnolo belegte bei seiner Olympiapremiere, die grobe Fahrfehler aufwies, den neunten Platz. Bei den Doppelsitzerinnen am 11. errutschten sich die Deutschen ebenfalls eine Medaille. Dajana Eitberger und ihre Partnerin Magdalena Matschina mussten sich nur den Lokalmatadorinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer geschlagen geben. Die Italienerinnen profitierten von der Erfahrung ihres Trainers Armin Zöggeler, zweifacher Olympiasieger und sechsfacher Weltmeister, sowie von dem Umstand, dass sie die Bahn in Mailand-Cortina bis zu Olympia bereits über 100mal befahren konnten. Das deutsche Team wiederum profitierte von den Fahrfehlern der Österreicherinnen Selina Egle und Lara Kipp. Die Weltcupführenden korrigierten mehrfach und leisteten sich außerdem einen entscheidenden Fahrfehler.

Verdammt spannend wurde es einen Tag später bei den Doppelsitzern der Männer. Hier strebten die ewigen Gewinner Tobias Wendl und Tobias Arlt abermals Olympiagold an und freuten sich dann doch sehr über die Bronzemedaille. Nach einem ersten missglückten Durchgang fuhren sie fehlerfrei und mit guter Geschwindigkeit vom fünften auf den dritten Rang. Den Sieg errangen die Italiener Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner vor den Österreichern Thomas Steu und Wolfgang Kindl. Im ersten Lauf führten überraschend die US-Amerikaner Marcus Müller und Ansel Haugsjaa. Im zweiten Lauf wichen sie aber von der Ideallinie ab und verloren immer mehr an der nötigen Geschwindigkeit. Sie fielen zurück und bescherten Wendl/Arlt den dritten Platz. Die deutschen Teamkollegen Toni Eggert und Florian Mueller, die sich nach schlechten Fahrten auch schon mal körperlich attackierten, kamen im zweiten nicht an ihre Zeiten vom ersten Lauf heran und mussten sich ihren Teamkollegen um vier tausendstel Sekunden geschlagen geben. Wendl und Arlt, die im Anschluss ihren Rücktritt bekanntgaben, wechselten vor dem Rennen noch das Material, was sich als berechtigt herausstellte.

Am Freitag holten sich die besten Rodler der Bundesrepublik noch Olympiagold in der Teamstaffel, die sie ziemlich überlegen vor Österreich und Italien gewannen.

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