Russischer General bei Attentat schwerverletzt
Moskau. Der stellvertretende Chef des russischen Armeegeheimdienstes Wladimir Alexejew ist nach einem Attentat schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der 64jährige wurde nach Behördenangaben am Freitag in einem Wohnhaus im Nordosten Moskaus angeschossen. Der Täter sei auf der Flucht, die Fahndung angelaufen, teilte das Ermittlungskomitee mit. Die Behörden haben ein Strafverfahren unter anderem wegen versuchten Mordes eingeleitet. Aus Russland wurden schwere Vorwürfe gegen die Ukraine laut.
Medienberichten zufolge ereignete sich die Tat am frühen Morgen und damit kurz nach dem Ende einer Verhandlungsrunde zu einem Ende Ukraine-Krieges in Abu Dhabi. Der General sei in seinem Wohnhaus vor dem Fahrstuhl mehrmals in den Rücken geschossen worden, berichtete der den russischen Sicherheitsorganen nahestehende Telegram-Kanal »Masch«. Mindestens drei Kugeln hätten den Geheimdienstler getroffen – zwei im Bauchbereich, eine im Bein. »Alexejew hat sehr viel Blut verloren«, schrieb »Mash«. Gesucht wird nach einem mittelgroßen Mann zwischen 35 und 45 Jahren. Der Verdächtige soll bei seiner Flucht mehrfach von Kameras erfasst worden sein. Moskau hat bereits vor Jahren ein Überwachungssystem mit mehr als 200.000 Kameras in Hauseingängen und Höfen eingerichtet. Viele von ihnen sind mit einem System zur Gesichtserkennung verbunden.
Ein Ukrainer in Russland
Öffentlich zugänglichen Angaben nach wurde Alexejew im Gebiet Winniza in der heutigen Ukraine geboren. Seine gesamte noch in Sowjetzeiten beginnende militärische Karriere hat er aber in Russland verbracht. Dort war er zuletzt Vizechef des Armeegeheimdienstes GRU. Während des Syrien-Kriegs leitete er die Geheimdienstaktionen des russischen Militärs in dem Nahoststaat. Nach Medienberichten war er im Ukraine-Krieg auch für die Aufstellung und Organisation von sogenannten Freiwilligenbataillonen mitverantwortlich. Kiew wirft ihm zudem die Bereitstellung von Daten für Luftangriffe vor, bei denen zivile Objekte zerstört wurden und Zivilisten ums Leben kamen. Auf westlichen Sanktionslisten steht er seit Jahren unter anderem wegen des Vorwurfs der Organisation von Cyberkriminalität und des angeblichen Einsatzes des Nervenkampfstoffs Nowitschok gegen den übergelaufenen Geheimdienstagenten Sergej Skripal und seine Tochter in Großbritannien.
Es ist nicht das erste Mal, dass hochrangige russische Militärs zur Zielscheibe von Attentaten werden. Im April 2025 kam Generalleutnant Jaroslaw Moskalik durch die Explosion einer Autobombe ums Leben. Im Dezember 2024 war mit Igor Kirillow der Chef der russischen ABC-Abwehrtruppen ebenfalls durch einen Bombenanschlag getötet worden. Der ukrainische Geheimdienst bekannte sich zu der Tat. Russland hat die Anschläge als Terrorismus und als Zeichen dafür verurteilt, dass Kiew nicht an einem Frieden interessiert sei.
Brisanter Zeitpunkt
Auch in diesem Fall hat Außenminister Sergej Lawrow schwere Vorwürfe gegen die Ukraine erhoben. Er sieht eine Tatbeteiligung der Führung in Kiew unter Präsident Wolodimir Selenskij als erwiesen an. »Dieser Terrorakt hat erneut die Ausrichtung des Selenskyj-Regimes auf ständige Provokationen bestätigt, die wiederum darauf zielen, den Verhandlungsprozess zu untergraben«, sagte der russische Chefdiplomat. Moskau werde darüber entscheiden, wie sich der Anschlag auf den Verhandlungsprozess auswirke. Er hoffe, dass Alexejew überlebe und wieder auf die Beine komme, sagte derweil Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow in einer ersten Reaktion.
Der Anschlag auf Alexejew kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: In Abu Dhabi am Persischen Golf ist erst am Donnerstag eine Verhandlungsrunde über die Beendigung des Kriegs in der Ukraine zu Ende gegangen. Die russische Delegation wurde dabei von Igor Kostjukow angeführt, dem Chef des russischen Militärgeheimdienstes GRU und unmittelbaren Vorgesetzten Alexejews. Die Verhandlungen, die im Januar begonnen haben und nach monatelanger Funkstille auch erstmals wieder beide Kriegsparteien an einen Tisch brachten, werden von allen Beteiligten als produktiv bezeichnet. Als greifbares Ergebnis gibt es bislang einen Gefangenenaustausch. Als schwierigstes Thema gilt weiterhin die russische Forderung an die Ukraine nach der Abtretung weiterer Gebiete. (dpa/jW)
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