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Aus: Ausgabe vom 14.02.2026, Seite 1 / Titel
Sicherheitskonferenz

Rüstung über alles

Merz eröffnet Münchener »Sicherheitskonferenz« mit Ankündigung militärischer Stärke gegen Großmächte. Gespräche mit Russland abgelehnt
Von Arnold Schölzel
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Plakat des Münchner Rüstungsunternehmens Helsing nahe dem Tagungsort der »Sicherheitskonferenz« am 12. Februar

Zum ersten Mal eröffnete mit Friedrich Merz (CDU) am Freitag ein amtierender deutscher Bundeskanzler die Münchener Sicherheitskonferenz. Seine in Medien sofort als Grundsatzrede betitelte Ansprache zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik entsprach dem historischen Anlass: Sein Konzept läuft auf eine Dreifrontenaufstellung gegenüber den Großmächten USA, Russland und China hinaus, wobei Russland auch militärisch bezwungen werden soll. Jedenfalls antwortete Merz auf eine Frage von Konferenzleiter Wolfgang Ischinger, warum die »Europäer« nicht selbst mit Moskau sprächen, Russland müsse erst »wirtschaftlich und militärisch erschöpft« werden.

Merz leitete seine Rede ein mit dem westeuropäischen Propagandamärchen einer idyllischen Welt vor Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022 und der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps, den er nicht namentlich nannte. Wie bei dieser Erzählung üblich erwähnte er nicht einen der vom Westen losgetretenen Kriege seit dem Ende der Sowjetunion 1991. Statt dessen stimmte er erneut eine Klage über eine heute herrschende Großmachtpolitik an. Sie wende sich »von der Idee einer Welt ab, deren fortschreitende Vernetzung in Verrechtlichung und Befriedung der Verhältnisse zwischen den Staaten übersetzt wurde«.

In den vergangenen Jahrzehnten habe die deutsche Außenpolitik »oft gemahnt, gefordert und gemaßregelt«, sei aber nicht besorgt genug gewesen, »dass oft die Mittel fehlten, Abhilfe zu schaffen«. Merz kündigt an, man werde den »Schalter im Kopf« umlegen. Was das heißt, erläuterte er in vier Punkten, genannt »Programm der Freiheit«: Über allem und an erster Stelle steht dabei militärische Stärke. Der Kanzler wiederholte, dass er die Bundeswehr »schnellstmöglich zur stärksten konventionellen Armee in Europa« machen wolle. Zudem sollen Abhängigkeiten von Rohstoffen und Technologien reduziert und die Geheimdienste gestärkt werden.

An die zweite Stelle stellte Merz die Stärkung der EU unter deutscher Führung. Innerhalb der NATO solle ein »selbsttragender, starker Pfeiler des Bündnisses« entstehen. Außerdem teilte er mit, er habe mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron »vertrauliche Gespräche über europäische nukleare Abschreckung« aufgenommen. Dabei sei sich seine Regierung der »rechtlichen Verpflichtungen« Deutschlands bei diesem Thema bewusst.

Dritter Punkt: »Wir wollen eine neue transatlantische Partnerschaft begründen«, die auf der neuen EU-Stärke beruhen soll. Beifall erhielt Merz für: »Wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus, sondern an freien Handel.« Sowie: »Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung ist nicht unserer.« Man müsse auf beiden Seiten des Atlantiks zum Schluss kommen: »Zusammen sind wir stärker«. Diese Begründung müsse »handfest« sein, nicht »esoterisch«. Merz wandte sich an die anwesende dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und erklärte, beim Grönland-Thema sei die neue EU-Stärke bereits wahrnehmbar gewesen. Auf jeden Fall müsse die EU die übermäßige Abhängigkeit von den USA hinter sich lassen.

Als vierten Programmpunkt nannte Merz die Errichtung eines »starken Netzes globaler Partnerschaften«, auch ohne Übereinstimmung aller Werte und Interessen. Merz nannte Kanada und Japan, die Türkei, Indien und Brasilien sowie Südafrika und die Golfstaaten. Demnach geht es um die Spaltung der BRICS-Staaten und des globalen Südens insgesamt.
Über die nötige Arroganz, Realitätsverweigerung und Aggressivität für den kaum kaschierten deutschen Großmachtanspruch verfügt Merz seit jeher. Sein »Programm der Freiheit« ist das eines neuen Militarismus.

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  • Leserbrief von Paula Keller aus Köln (17. Februar 2026 um 12:14 Uhr)
    Guten Tag Bundeskanzler Friedrich Merz,
    auf der Sicherheitskonferenz in München diesen Jahres wurden Sie von Wolfgang Ischinger gefragt, warum die Europäer nicht mit Moskau sprächen. Sie antworteten: Russland müsse erst ökonomisch und militärisch erschöpft werden. Bitte erklären Sie mir, warum die EU respektive Sie mit Russland erst verhandeln können, wenn Russland am Boden liegt.
    Ich habe mehrfach versucht, mir selbst Antworten zu finden, kam immer wieder zum Ergebnis: Erst wenn die Menschen in Russland hungern oder verhungert sind – Deutschland war ja damit schon einmal sehr erfolgreich, als etwa eine Million Menschen in Leningrad verhungert waren – wäre auch schon ein Teilziel der militärischen Erschöpfung erreicht. Den Rest »kriegstüchtiger« russischer Menschen zu verletzen oder zu töten, besorgt dann der deutsche »kriegstüchtige« Soldat, wenn der Vorrat »kriegstüchtiger« Menschen in der Ukraine ebenfalls erschöpft ist.
    Summa summarum: Erst wenn in Russland sich nichts mehr regt, verhandelt die EU mit den machtlosen Mächtigen in Moskau. Das ist dann für die Mächtigen der EU natürlich ein leichtes »Geschäft«. Das versteh’ ich. Aber christlich ist das doch nicht gedacht, oder?!
    Können Sie all das gemeint haben, Herr Bundeskanzler Friedrich Merz? Sie sind doch Mitglied einer christlichen Partei!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf Gerkan aus Hannover (14. Februar 2026 um 21:47 Uhr)
    Was für ein dummer Vorsatz, die Bundeswehr »schnellstmöglich zur stärksten konventionellen Armee in Europa« machen zu wollen, während man für die ukrainische Armee eine Friedensstärke von 800.000 Mann fordert und der 2+4-Vertrag den Deutschen Streitkräften gerade mal eine Stärke von 370.000 Mann zugesteht. Das Bekenntnis von Merz (selbe Rede) zum »Interesse an einer politischen Ordnung, in der wir auf Verabredungen vertrauen können« erweist sich da in null-komma-nichts als reines Lippenbekenntnis. Die alte Doppelmoral eben, die schon zum Ukrainekrieg geführt hatte. Das KSZE-Versprechen, auf Einmischungen in Angelegenheiten anderer Staaten zu verzichten: Es wurde mit den massiven amerikanischen Interventionen in das Maidan-Geschehen 2014 kurzerhand gebrochen. Die mit Maidan-Aktivisten getroffene Vereinbarung zu vorgezogenen Neuwahlen: Schon am Tag drauf war sie Makulatur, man erkannte umgehend das neue Putschregime faktisch an. Die Minsker Vereinbarungen, für die Deutschland garantieren wollte: Man hat nie den Versuch unternommen, die Kiewer Russlandhasser mal zur Einhaltung zu bewegen. Statt dessen hatte man per Aufrüstung der Ukraine einen militärischen Lösungsweg für die innerukrainischen Probleme vorgezeichnet. Das ist für den Herrn Merz natürlich genauso irrelevant wie die vielen westlichen Angriffskriege. Nun, er ist ja bereit, Werte hintanzustellen, wenn es um neue Partnerschaften geht. Hatte er den Golfstaaten gegenüber da nicht kürzlich mit deutscher Zuverlässigkeit geprahlt? Zuverlässig scheint mir nur die Verlogenheit westlicher Politik zu sein. Habecks Gasbestellungen in Katar waren auch schnell am europäischen Lieferkettengesetz gescheitert. Wer soll uns bei soviel Inkonsequenz überhaupt noch ernst nehmen? Und da will Merz nun »ausbuchstabieren«, wie man die europäische militärische Beistandsverpflichtung des Artikel 42 EUV umsetzen könnte? Der Hauptfeind der EU ist weder China noch Russland, sondern die Verlogenheit von Leuten wie Merz!

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