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Aus: Ausgabe vom 11.02.2026, Seite 15 / Antifaschismus
Denkmal für Widerstandskämpfer

Neun Namen sollen weichen

Österreich: SPÖ-geführte Stadt plant Entfernung eines Denkmals für ermordete Widerstandskämpfer
Von Dieter Reinisch
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Das Kriegsdenkmal für Soldaten der Habsburger und der Faschisten soll vor den Baumaßnahmen nicht weichen müssen (Laakirchen, 8.2.2026)

Noch ist der Platz im Zentrum der oberösterreichischen Stadt Laakirchen mit Reif bedeckt. Die Bäume sind kahl. In einigen Wochen dürfte er wieder grün erstrahlen, sobald der Frühling kommt und das Gras wächst – zum vermutlich letzten Mal. Der Platz soll umgebaut werden. Pläne und Symbolbilder des Architekturbüros, das für die Umsetzung zuständig ist, liegen junge Welt vor. Sie zeigen Betonplatten statt des Grüns. Bäume und Gras sollen entfernt werden. Vom ursprünglichen Platz soll nur das Kriegerdenkmal übrig bleiben. Dieses ist den Soldaten gewidmet, die auf seiten der Habsburgermonarchie und des Faschismus in den Weltkriegen gefallen sind. Davor soll ein Zierbrunnen entstehen. Am neuen Betonplatz soll Raum für Veranstaltungen mit bis zu 200 Leuten geschaffen werden, so die Pläne der Stadtverwaltung. Laut den Gemeinderäten der Grünen werden sich die Kosten auf 800.000 Euro belaufen.

Politisch brisant: Vor dem Kriegerdenkmal befindet sich ein weiteres Denkmal. Ein meterhoher Pfeiler erinnert an neun Opfer der Faschisten: Johann Auinger, Ignaz Bachmair, Adam Blank, Michael Jilemecky, Franz Macha, Josef Neubacher, Johann Samer, Karl Siegl, Alois Welischek. Sie alle waren im Konzentrationslager ermordet worden. Ihre Namen sind auf dem Pfeiler zu lesen. Sie waren Widerstandskämpfer in der sozialdemokratischen Gemeinde. Die politischen Verantwortlichen waren nach 1945 stolz auf ihren Mut. Als Zeichen des Gedenkens wurde im Park am Hauptplatz ein Denkmalensemble errichtet. Zusätzlich zum Kriegerdenkmal entstand der vier Meter hohe Pfeiler mit Gedenktafel, Kranzkonsole und Opferschale für die neun Ermordeten.

Dies soll sich nun ändern, hat man im Rathaus entschieden. Die vom SPÖ-Bürgermeister Fritz Feichtinger regierte Stadt mit rund 10.000 Einwohnern will im Zuge der Umbauten genau dieses Denkmal abbauen lassen. Statt Gedenken an die KZ-Opfer soll ausschließlich eine meterlange Wand in Erinnerung der Täter übrig bleiben. Der KZ-Verband/Verband der Antifaschisten Oberösterreichs versucht, dies zu verhindern. In einer Postwurfsendung mit dem Titel »Das Mahnmal für den antifaschistischen Widerstand muss sichtbar bleiben!« wies er die Bevölkerung auf die historische Bedeutung des Denkmals hin. Für den 24. Februar ist am Ort des Denkmals eine Kundgebung geplant, berichtete Harald Grünn, Landesvorsitzender des Verbands, gegenüber junge Welt.

Laakirchen gehöre zu jenen Städten und Gemeinden, in denen mutige Bürger Widerstand gegen den Hitlerfaschismus geleistet haben, teilte Grünn am Montag mit. »Sie setzten sich unter großen persönlichen Risiken für Freiheit, Demokratie und die Befreiung Österreichs ein.« Acht der neun genannten Widerstandskämpfer gehörten der in ganz Oberösterreich aktiven »Welser Gruppe« an, erklärte Grünn. Diese war vor allem in Industriebetrieben organisiert, in Laakirchen in der Papierfabrik Steyrermühl. »Diese Männer leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur Befreiung Österreichs, wie sie in der Moskauer Deklaration von 1943 von den Alliierten ausdrücklich gefordert wurde.« Sie hatten »ihr Leben für die Freiheit unseres Landes gegeben«, kritisiert Grünn die Pläne des Bürgermeisters, das Gedenken an den Widerstandskampf zu zerstören.

Der KZ-Verband in Oberösterreich habe im Herbst 2023 von Plänen zur Umgestaltung des Parks erfahren und sich nach Angaben von Grünn umgehend mit dem SPÖ-Bürgermeister Feichtinger in Verbindung gesetzt. »Es gab mehrere Gespräche und auch mündliche Zusagen des SPÖ-Bürgermeisters von Laakirchen, die genau nichts wert waren«, berichtete Grünn.

Feichtinger weigere sich seit Monaten, mit dem Verband und dem Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer über die Pläne zu sprechen. Statt dessen wurde die Genehmigung der Umgestaltung des Platzes auf die Tagesordnung der kommenden Gemeinderatssitzung am 24. Februar gesetzt. Grünn bezeichnete es als »unerträglich«, dass ein sozialdemokratischer Bürgermeister der Auffassung sei, derartig mit dem Andenken an Laakirchner Widerstandskämpfer umgehen zu können, »die ihr Leben im Kampf um ein freies Österreich gaben«.

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