Zug des Tages: Verzug
Von Niki Uhlmann
Endlich: Auf den Gleisen zwischen Köln, Wuppertal und Hagen gibt es ab Freitag fünf Monate lang keine einzige Verspätung mehr! So lang werden die Züge der Deutschen Bahn dort nicht fahren, werden rund 69 Kilometer Trasse saniert. »Zum Teil schon lange geplant« – vulgo verzögert – seien die »Arbeiten«, wirbt der Konzern um Verständnis für die zeitfressenden Umwege. Von denen kann er offenbar gar nicht genug bekommen und kündigte für 2027 eine auf demselben Streckenabschnitt »vorgesehene Sperrung« an, deren »Details noch erarbeitet« werden. Die Verspätungen sind also gewiss; gute Gründe werden sich finden.
Zum Beispiel die Stellwerke. Die sollen, so die Durchsage, erst »weit in den 2030er Jahren erneuert werden«. Antiquitäten, die im Osten mitunter seit der Kaiserzeit währen, können dem Wessi noch ein Jahrzehnt zugemutet werden, scheint die Devise zu lauten. Trotzdem spricht die Bahn weiter zweckoptimistisch von einer »Generalsanierung in Nordrhein-Westfalen«. Ulrich Lange, Generalhandlanger des Bundesverkehrsministers, ruderte im DLF bereits zurück: Er spreche »guten Gewissens von Korridorsanierungen«. Für »zufriedene Kunden« müsse die Regierung »auch das Erwartungsmanagement neu machen«. Das hat offenbar Vorrang.
Die Grünen, die die Sanierung der Bahn in der vergangenen Legislaturperiode mit verbockt haben, werfen dem Ministerium aus der Opposition nun durchaus zurecht vor, was seine CSU-Besatzer ihren Vorgängern aus der Opposition ebenso zurecht vorgeworfen hatten: eine »Schummelsanierung«. Auch Wahlkampf ist mit der Bahn einfach besser zu machen als Reisen. Vorerst bleibt die BRD also, misst man sie an ihrem Elektrifizierungsgrad des Schienennetzes von 60 Prozent, eine Bahnanenrepublik. Mindestens eins muss man der Deutschen Bahn billigend zugestehen: Ihr Verzug ist immer pünktlich.
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