Trump im Netz
Von Lars Pieck
Die Schlinge um US-Präsident Donald Trump zieht sich enger: Am Freitag, mehr als einen Monat nach Ablauf einer vom Kongress gesetzten Frist, hat das US-Justizministerium eine weitere Sammlung lange erwarteter Ermittlungsakten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein herausgegeben. Die Zahl der diesmal freigegebenen Dokumente übertrifft frühere Veröffentlichungen deutlich und umfasst mehr als 3,5 Millionen Seiten, 2.000 Videos und 180.000 Bilder. Das ist rund die Hälfte von insgesamt mehr als sechs Millionen Unterlagen, wie der stellvertretende Generalstaatsanwalt Todd Blanche erklärte.
Die Veröffentlichungen zeigen nicht nur neue Verbindungen zwischen Epstein und Oligarchen wie Elon Musk, Bill Gates und Richard Branson sowie Figuren der Trump-Regierung, darunter Handelsminister Howard Lutnick und Trumps möglicher neuer Zentralbankchef Kevin Warsh. Vielmehr belasten sie auch den US-Präsidenten selbst. Laut einem neu herausgegebenen FBI-Memo sei Trump nämlich »von Israel kompromittiert« worden. Epstein habe mit dem israelischen Geheimdienst zusammengearbeitet, und die zionistische Religionsgemeinschaft Chabad habe versucht, Trumps erste Amtszeit zu beeinflussen. Das 2020 verfasste Memo entstand im Rahmen einer FBI-Untersuchung zu in- und ausländischen Einflüssen auf den US-Wahlkampf und stützt sich auf Informationen einer vertraulichen Quelle.
Chabad-Lubawitsch – eine im 18. Jahrhundert in Russland gegründete jüdische Sekte mit Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin, etwa durch den ehemaligen Oberrabbiner Russlands, Berel Lazar – werde laut FBI von Putin genutzt, um russisch-jüdische Oligarchen zu überwachen. Das Memo identifiziert Trumps Schwiegersohn Jared Kushner als Unterstützer der Gruppe und zentrale Figur in Trumps innerem Kreis. »An dem Tag, an dem Trump zum Präsidenten gewählt wurde, besuchten Ivanka Trump und Jared Kushner das Grab von Rabbi Schneerson, des mächtigsten Rabbis im Chabad-Netzwerk«, heißt es weiter. Die Quelle betont, dass Kushner »der eigentliche Kopf« hinter Trump und seiner Präsidentschaft sei.
Das Memo bestätigt außerdem Epsteins Verbindungen zu US-amerikanischen und ausländischen Geheimdiensten. Die Geheimdienstquelle sei zur »Überzeugung gelangt, dass Epstein ein kooptierter Mossad-Agent war«, heißt es unter Verweis auf frühere FBI-Berichte. Epstein stand dem ehemaligen israelischen Premierminister Ehud Barak nah und soll unter ihm zum Spion ausgebildet worden sein. Zwischen 2013 und 2017 besuchte Barak mehr als 30mal Epsteins Stadthaus in New York und reiste mehrfach mit dessen Flugzeug. Häufig vermittelte Epstein im Hintergrund, etwa 2017 bei der Stärkung der Beziehungen zwischen Indien und Israel. Er brachte den indischen Milliardär Anil Ambani, der Premierminister Narendra Modi nahesteht, mit Barak zusammen, bevor Modi erstmals nach Israel reiste. Einige Tage später schrieb Ambani Epstein nach einem Besuch in Delhi, dass die »Führung« Epsteins Hilfe benötige, damit er »so schnell wie möglich Kushner und Bannon treffen« könne, und bat um Unterstützung für Modis bevorstehendes Treffen mit US-Präsident Trump. Epstein triumphierte in einer E-Mail, dass Modi »in Israel zum Wohle des US-Präsidenten getanzt und gesungen« habe.
Diese und viele weitere Veröffentlichungen zeigen, dass es beim Epstein-Fall nicht allein um einen Kreis von pädophilen Sexualstraftätern ging, sondern um ein gezielt aufgebautes internationales Netzwerk – also die Art von »Weltverschwörung«, von der rechte Q-Anon- und MAGA-Anhänger jahrelang sprachen. Nur war ihr verehrter »Retter« am Ende selbst einer der Kernakteure dieses Netzwerks.
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