Canossagänger des Tages: Ousmane Sonko
Von Jörg Tiedjen
Bei Regierungskonsultationen geht es normal um eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ländern. Nachdem aber der senegalesische Premierminister Ousmane Sonko am Montag in Begleitung mehrerer Kabinettskollegen zur 15. Zusammenkunft dieser Art in Marokko eingetroffen war, hieß es für die Gäste nicht zuletzt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Bei einem Besuch im Parlament in Rabat musste sich Sonko anhören, wie die Abgeordneten dem stellvertretenden Haushaltsminister Fouzi Lakjaa, der zugleich Chef des marokkanischen Fußballverbands ist, zur Organisation des jüngsten »Afrikacups« gratulierten. Laut der Infoseite Yabiladi lobten sie seine Standhaftigkeit gegenüber allen »feindseligen Manövern von Kritikern und Verschwörern«. Solche haben nämlich aus marokkanischer Sicht die eigene Fußballmannschaft der Herren am vorvergangenen Sonntag in Rabat um ihren Sieg gebracht, während sie Senegals Elf den Sieg bescherten.
Millionen Fernsehzuschauer haben allerdings etwas anderes gesehen: einen bis zum Finale manipulierten Wettbewerb, den das westafrikanische Land trotz aller Widrigkeiten hochverdient für sich entschied. Daran wird Rabat trotz aller Ankündigungen, den Titelgewinn nun einklagen zu wollen, nichts ändern. Aber es kann Druck auf das westafrikanische Land ausüben, das sich in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise befindet. Zwar hat Rabat beim »Afrikacup« die Solidarität auf dem Kontinent mit Füßen getreten. Aber dem Panafrikaner Sonko blieb nichts, als sich gleich nach seiner Ankunft lautstark hinter den Plan einer »Autonomie« für die von Marokko illegal besetzte Westsahara zu stellen, das Dauerthema der Diplomatie Rabats. Doch gerade Sonkos »Gang nach Canossa« bestätigt: Marokko hat nach dem »Afrikacup« jede Glaubwürdigkeit verloren. Für die Westsahara galt das schon vorher.
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