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Aus: Ausgabe vom 16.01.2026, Seite 16 / Sport
Fußball

Läuft wie geschmiert

Im Afrikacup stehen Senegal und Gastgeber Marokko im Finale
Von Jörg Tiedjen
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Schoss das Siegtor: Marokkanische Spieler feiern Youssef En-Nesyri (M., Rabat, 14.1.2026)

Die marokkanische Fußballnationalmannschaft steht zum ersten Mal seit 2004 wieder in einem Endspiel des Afrikacups – und das im eigenen Land, das 2030 auch gemeinsam mit Spanien und Portugal die FIFA-Weltmeisterschaft veranstalten wird. Der Gastgeber besiegte am Mittwoch in Rabat das Team aus Nigeria im Elfmeterschießen mit 4:2. Zuvor hatte Senegal in Tanger Rekordmeister Ägypten mit 1:0 geschlagen und sich so den Einzug ins Finale am Sonntag in Rabat gesichert. Das Publikum erlebte zwei sehr unterschiedliche Partien, während hinter den Kulissen weiterhin eine Schlammschlacht um diverse Schiedsrichterentscheidungen und das Verhalten des Fußballverbands CAF tobt, die auch als Symptom der aktuellen politischen Spaltungen auf dem Kontinent interpretiert werden kann.

Die »Pharaonen« vom Nil traten gegen die »Löwen der Teranga« erstaunlich defensiv auf. Von der Devise, dass Angriff die beste Verteidigung ist, schienen sie nie etwas gehört zu haben. Bis zu Senegals Führungstreffer von Sadio Mané, der in der 78. Minute einen Abpraller eiskalt im Netz versenkte, warteten sie vergeblich auf eine Konterchance. Zwar stellte Ägyptens Trainer Hossam Hassan am Ende auf Angriff um. Doch im gesamten Spielverlauf brachte die Elf kaum einen einzigen gefährlichen Abschluss zustande. Das Viertelfinalspiel am vergangenen Wochenende gegen den Titelverteidiger, die sonst so grazilen und eleganten »Elefanten« aus Côte d’Ivoire, war die Mannschaft um Stürmerstar Mo Salah dagegen noch offensiv angegangen und hatte lange Zeit bequeme zwei Tore Vorsprung.

Das Match zwischen Marokko und Nigeria wiederum blieb bis zur letzten Sekunde offen. Den »Atlaslöwen« gelang es, den brandgefährlichen nigerianischen Sturm um Victor Osimhen und Ademola Lookman weitgehend vom Strafraum fernzuhalten. Die Spielfreude schien ebenfalls auf Seiten der Gastgeber. Aber auch Nigeria verteidigte und hielt sicher. Der Held des Abends war aus marokkanischer Sicht dann am Ende Keeper Bono. Der eigens für den Showdown eingewechselte Nigerianer Bruno Onyemaechi schoss kurioserweise genau in die Ecke, in die der Schlussmann sich nach einer entsprechenden Finte bewegte. Dieser brauchte nur die Hand auszustrecken, um den Ball abzuwehren. Youssef En-Nesyri brachte darauf den nächsten Elfmeter unhaltbar ins Tor, die Partie war entschieden.

Marokkos Traum, zum zweiten Mal nach 1976 wieder Afrikameister zu werden, könnte sich also diesen Sonntag erfüllen. Ob aber der diesmalige Afrikacup, der mit vollem Namen im Original wegen seines nicht unbedingt sympathischen französischen Großsponsors »Total Energies Africa Cup of Nations 2025« heißt, auch ein Imagegewinn für Marokko ist, kann allerdings bezweifelt werden. Denn der Verdacht, dass der Gastgeber seinen Heimvorteil nutzte, um Einfluss auf die Spiele zu nehmen, hat gerade auch im Viertel- und im Halbfinale neue Nahrung gefunden.

Zum Beispiel: In der 33. Minute zog Marokkos Sturmspitze Brahim Díaz am Trikot von Nigerias bärenstarkem Verteidiger Calvin Bassey. Doch es war Bassey, der daraufhin eine gelbe Karte bekam, durch die er im Finale gesperrt gewesen wäre. Es gab noch weitere Szenen, in denen marokkanische Spieler hart einstiegen, ohne dass dies vom ghanaischen Schiedsrichter Daniel Laryea geahndet worden wäre. Überhaupt die Unparteiischen: Vor dem Viertelfinalspiel gegen ein unerklärlich schwach wirkendes Team aus Kamerun hatte Marokko Protest beim afrikanischen Fußballverband CAF gegen die Auswahl der Schiedsrichter eingelegt und so dafür gesorgt, dass der Referee ausgetauscht wurde. Kameruns Trainer David Pagou soll von dem ungewöhnlichen Vorgehen erst aus sozialen Netzwerken erfahren haben. Samuel Eto’o, der frühere Superstar der »Unbezwingbaren Löwen«, der das Spiel vor Ort verfolgte, wurde von der CAF mit einer Stadionsperre und einer Strafe von 20.000 US-Dollar belegt, weil er Schiedsrichterentscheidungen lautstark in Frage gestellt hatte.

Am meisten verärgert ist jedoch – wenig überraschend – Algerien. Die »Fenneks« waren im Viertelfinale gegen Nigeria mit 0:2 ausgeschieden. Wie die Ägypter den Senegalesen konnten sie den Nigerianern in keiner einzigen Szene gefährlich werden. Schon während des Spiels selbst aber beklagten sie sich darüber, vom senegalesischen Schiedsrichter Issa Sy benachteiligt zu werden, der ihnen gleich zur Begrüßung im Unterschied zu den »Superadlern« einen Handschlag verweigerte.

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