Resonanzkörper
Was spiegeln Medien lieber als Geschehen? Mediengeschehen. Schräg, das an diesem Platz zu schreiben? Es geht um mehr als betriebsbedingte Marotten. Medien haben Einfluss, folglich macht kritische Brechung sich nötig, auf der faktischen Ebene wie auf der ideologischen. Diese Medienschau setzt einen drauf: Medien spiegeln, die Medien spiegeln, bei einem Thema, das abseitig scheint, aber dass es das tut, gerade darum geht es. Afrika ist dreimal so groß wie Europa, an Einwohnern dreimal so stark wie die EU, sein BIP liegt bei einem Viertel der Summe von Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Woselbst auch die meisten großen Agenturen sitzen: DPA, AFP, Reuters.
In einem Essay auf den Seiten des African Journalism Education Network beschreibt Enock Sithole den afrikanischen Kontinent als Resonanzkörper westlicher Klänge. Journalismus in Afrika bedeute in vieler Hinsicht, Material westlicher Agenturen und damit auch deren Narrative zu übernehmen. Diese »Dominanz der Meldungen (...) sorgt oft dafür, dass internationale Nachrichten die afrikanische Berichterstattung verdrängen«. Das betreffe nicht nur die Berichterstattung »über den Krieg in der Ukraine«, die westlich voreingenommen sei, sondern auch Geschehen auf dem Kontinent selbst. »Während des Staatsstreichs in Niger 2023 veröffentlichten zahlreiche afrikanische Zeitungen Artikel von Reuters oder AFP statt eigene Reporter nach Niamey zu entsenden.« Folgerichtig konzentrierten die Artikel sich »auf den französischen Einfluss oder Migrationsströme, regionale Dynamiken wie innerhalb der ECOWAS ließ man außer acht«. Der Autor bemüht den Ausdruck »Fallschirmjournalismus«: Reporter springen »in einem Gebiet ab, um über eine Krise zu berichten, und verschwinden schnell wieder, ohne viel Kontext zu liefern«. Solche »ausgeliehenen Reportagen« erzeugen einen »Anschein von Autorität«, Komplexität gehe verloren, Stereotype werden perpetuiert.
Zum Teil reagieren die Medien auf eine verbreitete Haltung. Storys über US-Wahlen werden »als ernsthafter angesehen« denn Ereignisse in Tansania, und gerade das Streben nach Prestige führe dazu, westliche Narrative zu übernehmen statt afrikanische zu entwickeln. Zum anderen seien die Ursachen strukturbedingt. In den meisten Regionen werde journalistische Ausbildung schlecht und nicht flächendeckend finanziert. Zudem habe »die UNESCO wiederholt auf mangelhafte Ausrüstung, veraltete Lehrpläne und fehlende praktische und grenzübergreifende Ausbildung hingewiesen«. Es fehle – so banal wie wahr – an Geld. Ein »Paket von AFP, AP oder BBC zu übernehmen« sei günstiger als eigene Reportagen.
Die Folgen bleiben nicht auf Journalismus beschränkt. »Menschen sind über Themen, die sie direkt betreffen, schlecht informiert, von Gesundheitskrisen bis hin zu regionaler Handelspolitik.« (fb)
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