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Aus: Ausgabe vom 27.01.2026, Seite 2 / Ansichten

Grobes Foulspiel

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Zum regelmäßig wiedergekäuten Unfug gehört die Phrase, wonach der Sport von der Politik strikt getrennt werden müsse. Das ist, wo sehr viel Geld im Spiel ist, ohnehin nicht möglich, wird aber noch absurder, wenn die Auswahl einer Nation gegen die einer anderen in den sportlichen Wettbewerb tritt. Die Leistungsschau der Nationen ist eine eminent politische Angelegenheit. Und die, die ansonsten der Trennung das Wort reden, erinnern sich dieser Wahrheit von Mal zu Mal, nämlich immer dann, wenn sich das Verhältnis der Nationen zueinander eintrübt, also eigentlich regelmäßig. Und weil Trump derzeit so unziemlich auf dem Weltparkett herumtrampelt, steht hierzulande plötzlich ein Boykott der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft zur Diskussion, die unter anderem in den USA stattfinden soll.

Einen ersten Wink hatte der CDU-Abgeordnete Jürgen Hardt bereits vor einigen Tagen gegeben. Im Deutschlandfunk sagte er, im Falle einer Annexion Grönlands durch die USA könne er sich nicht vorstellen, »im Sommer in den Staaten ein fröhliches Fußballfest zu feiern«. Eine widerrechtliche Besetzung Grönlands bedeute aus seiner Sicht, dass die Europäer überprüfen müssten, »ob man an solchen Spielen teilnehmen kann«.

Den Ball griff dann Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli und Präsidiumsmitglied des DFB und der DFL, in der Hamburger Morgenpost auf: »Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen.«

Das scheint sich inzwischen auch die FAZ gedacht zu haben und erwärmt sich im Leitartikel vom Montag für die Idee eines WM-Boykotts. Wo ein Trump das Sportereignis zum größten der Menschheitsgeschichte erklären wird, ganz einfach, weil er selbst der Größte ist, erscheint »die Fußballwelt als willfährige Staffage«. Denn: »Wer hinschaut, kann bislang nichts anderes erkennen als den vollständigen Kotau, die Beugung aller Ideale des Sports vor den Stiefeln, die sie in den Staub treten.« Was mit der Frage kokettieren lässt: »Warum also nicht über einen Boykott nachdenken, versuchen, eine Allianz zu schmieden mit den besten europäischen Fußballnationen?«

Wird eh nicht passieren, weiß auch Julian Reichelt vom rechtsgewalkten Krawallportal Nius. Der geschasste Bild-Redakteur (eine Leistung für sich) regt sich über Jens Spahn auf, weil auch der im ZDF einen WM-Boykott ins Spiel gebracht habe. Stimmt zwar gar nicht, aber für Reichelt und Nius ist Wahrheit ohnehin eine reichlich überschätzte Kategorie. Empfehlung Reichelts an Spahn: »Wenn ich der unbeliebteste Politiker Deutschlands bin, dann denke ich nicht über einen Boykott nach.« Fair enough, so macht man aus Unwahrheit Wahrheit. (brat)

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