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Aus: Ausgabe vom 27.01.2026, Seite 5 / Inland
Jahrespressekonferenz der IG Metall

Mitgliederschwund bei der IG Metall

Neue sozialpartnerschaftliche Initiative für »Aufschwung und Beschäftigung« soll Standort retten
Von Susanne Knütter
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Auch mit Zukunftsverträgen sind Arbeitsplätze weg. Bei Bosch in Waiblingen will man kämpfen (26.9.2025)

Die Krise der Industrie ist auch eine der IG Metall. Die Gewerkschaft hat das siebte Jahr in Folge Mitglieder verloren. Zwar ist sie mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern weiterhin die größte Gewerkschaft in Deutschland. Zum Jahresende verlor sie aber 3,9 Prozent der Mitglieder im Vergleich zum Vorjahr. Hatte die IG Metall im Jahr 2018 noch mehr als 2,27 Millionen Anhänger, sind es jetzt 2.015.495.

Die Gründe liegen teils auf der Hand. Im vergangenen Jahr wurden 140.000 Industriearbeitsplätze abgebaut. Die erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, verglich die Größenordnung beim Jahrespressegespräch am Montag mit einer mittelgroßen Stadt wie Offenbach oder Ingolstadt. Auch die fehlenden Tarifverhandlungen zum zentralen Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie, in denen üblicherweise verstärkt Mitglieder gewonnen werden, hauten ins Kontor. So verzeichnete die Gewerkschaft 93.000 Neueintritte; so wenige wie seit dem Coronajahr 2021 nicht mehr.

Existentielle Sorgen entstehen für den Gewerkschaftsapparat daraus nicht. Die Mitgliedsbeiträge sind an die Gehaltssteigerungen gekoppelt. Deshalb sind die Einnahmen trotz Mitgliederschwunds gestiegen. Nach der Rekordeinnahme von 642 Millionen Euro im Jahr 2024 berichtete Schatzmeisterin Nadine Boguslawski nun von einer minimalen Steigerung auf 648 Millionen Euro.

Existentielle Sorgen für die Beschäftigten bestehen durchaus. Das lässt sich auch an deutlich mehr Rechtsschutzfällen ablesen. So sei die Fallzahl im Sozialrecht um 7,2 Prozent gestiegen und die im Arbeitsrecht (hier geht es insbesondere um Kündigungsschutzklagen) um 6,8 Prozent. Als Affront wertet die IG Metall außerdem, dass sie in der kommenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie zum ersten Mal mit einem Gesamtmetall-Präsidenten verhandelt, der aus einem Unternehmen ohne Tarifbindung kommt.

Die IG Metall gibt sich kämpferisch. »Wenn wir was können, dann ist es kämpfen«, so Benner. »Sollte der industrielle Kahlschlag nicht aufhören, werden wir auf Konflikt schalten.« Allerdings: Auch wenn Boguslawski betonte, die Streikkasse sei gut gefüllt. Immer wieder war die Rede von »passgenauen Lösungen«, die mit der Gewerkschaft möglich seien. So vereinbare die IG Metall in »guten Zukunftsverträgen« den »Kern wirtschaftlichen Erfolgs«: Innovation, Entwicklung neuer Ideen, andere Produkte. »Wir sind für passgenaue Lösungen, pauschale Eingriffe in das Entgelt lehnen wir ab«, so Boguslawski.

Wohin ein paar der passgenauen Lösungen führen, kann man dieser Tage beobachten. So will der Lkw-Bauer MAN die Stellen am Standort Salzgitter nun schneller und radikaler reduzieren, als ein kurz zuvor mit Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbartes Eckpunktepapier vorsah. Mit der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) gab es bereits einen Zukunftssicherungsvertrag, inklusive Stellenstreichungen und Innovationsversprechen. Jetzt steht auch hier der nächste Kahlschlag an.

Die Antwort der IG Metall auf solche Angriffe ist am Ende nur ein weiteres sozialpartnerschaftliches Projekt: die »Initiative für Aufschwung und Beschäftigung«. Politik, Unternehmen und Gewerkschaften sollen nach Vorstellung der IG Metall mit Vereinbarungen auf ‌Länderebene eine Initiative starten, die Beschäftigungssicherung mit Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz und Wohlstand verbinde. Der Wirtschaftsstandort müsse gesichert, Deindustrialisierung gestoppt werden. Die Unternehmen müssten in neue Technologien und Produkte einsteigen, beispielsweise auf den ‌Feldern Energie, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Medizintechnik. Die Initiative will die Gewerkschaft in den Unternehmen umsetzen und in Netzwerken auf Ebene der Bundesländer. »Wir erwarten von den Arbeitgebern, unsere Initiative aktiv zu unterstützen«, betonte Benner. Jetzt sei »Crunchtime«.

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