Revenge Porn des Tages: Macrons SMS
Von Felix Bartels
Greatest gossip ever told. Man wird sich wohl sehnen dereinst nach jener Zeit, da Trump beinah täglich den nächsten Scheiß lieferte. Rein nachrichtlich ist der Mann ja Gold wert. Nun konnte man Zeuge werden von Versuchen des französischen Präsidenten und des NATO-Generalsekretärs, rektalen Zugang zum US-Präsidenten zu erlangen. Ja, das war ein dolles Ding, wie es Mac und Rutte ging …
Trump nämlich kennt keine Scham, er bestraft Servilität wie Hochmut. Hätte man durchaus wissen können nach fünf Jahren Nettoamtszeit. Macron hatte via SMS um ein privates Treffen am Rand des G7-Treffens in Davos gebeten. »Was für tolle Sachen wir machen können«, frohlockte er mit Blick auf den Iran, nur das mit Grönland entziehe sich seinem Verständnis. »Lass uns ein Dinner haben, bevor du zurückfliegst«, kumpelt Macron zum Abschied. Trump veröffentlichte die SMS umgehend bei »Truth Social«. Dann war Rutte dran. Wo ein Wille ist, ist auch ein Leak: »Was du in Syrien geschafft hast, ist unglaublich. (…) Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir einen Weg vorwärts bei Grönland finden. Ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen.«
Trump zog vor, bei Macrons Dinner zu fehlen. Und er ist nicht der Typ, der nicht noch drauftritt, wenn einer schon liegt. Ehe er in die Air Force One stieg, teilt er mit, dass Macron »ohnehin bald nicht mehr im Amt« sei und er, Trump, darüber nachdenke, die Zölle auf Wein und Champagner um 200 Prozent zu erhöhen. Immerhin eins ist daran, das übers blanke Entertainment hinausgeht. Trump verkörpert eine Irritation. Der beruhigenden Gewissheit um Checks and Balances nämlich, des Glaubens, auf der hohen Ebene, wo Entscheidungen getroffen werden, spiele Spleen keine Rolle. Mit diesem Gewissen ist das Juste milieu seit Jahrhunderten ins Bett gegangen, mit diesem Ungewissen wacht es nun wieder auf.
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