Wie sieht praktische Solidarität aus?
Interview: Ariane Müller
Sie waren am 20. und 21. Dezember 2025 auf der Konferenz »Solidarität mit politischen Gefangenen« in Paris. Wer hat diese Zusammenkunft organisiert?
Die Konferenz wurde von der Plattform Stimme der politischen Gefangenen (TSP) organisiert. TSP wurde gegründet, um politische Häftlinge in den Gefängnissen des türkischen Staates zu unterstützen, ihre Kämpfe sichtbar zu machen und ihre Stimmen in die Öffentlichkeit zu tragen.
Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Paris gefahren?
Ich bin mit der Erwartung nach Paris gefahren, in einen Austausch über politische Gefangene zu treten, mehr über die Haftbedingungen von betroffenen Frauen und LGBTI+ zu erfahren sowie etwas über die konkreten Auswirkungen staatlicher Repression zu lernen. Gleichzeitig war es mir wichtig zu hören, wie andere Kräfte mit politischen Gefangenen umgehen, welche Formen der Solidarität sie entwickeln und wie Gefangene aktiv in die politischen Kämpfe eingebunden werden.
Aus welchen Ländern kamen die Teilnehmenden?
An der Konferenz nahmen ehemalige politische Gefangene und Genossinnen und Genossen etlicher Organisationen aus der ganzen Welt teil, darunter aus Palästina, Kurdistan, der Türkei, aber auch aus Italien, Deutschland und selbstverständlich Frankreich, um nur einige zu nennen.
Was war für Sie das Besondere an dieser Konferenz?
Ihr vollkommen internationalistischer Charakter. Im Mittelpunkt standen die politischen Gefangenen und ihre Kämpfe. Wir hörten zahlreiche Grußworte politisch Inhaftierter, die entweder verlesen oder als Tonaufnahmen abgespielt wurden, unter anderem von Dimitris Koufontinas, Mumia Abu-Jamal und Daniela Klette.
Besonders eindrucksvoll und mutig war der Beitrag einer jungen Sozialistin der Organisation Zora. Sie war Teil der »Global Sumud Flotilla«, die versucht hatte, die Seeblockade Palästinas zu durchbrechen. Nach der Festsetzung der Flotilla wurde sie für fünf Tage inhaftiert. Während eines Gefangenentransports zwischen zwei Haftanstalten wurde sie von israelischen Soldaten vergewaltigt. Diese Erfahrung teilte sie auf der Konferenz und wurde damit zur Stimme jener, die in den Gefängnissen des israelischen Staates sitzen und nicht über sexualisierte Gewalt sprechen können. Sie machte deutlich, dass ihr Wille nicht gebrochen ist und dass sie nicht aufhören wird, für Gerechtigkeit zu kämpfen – bis zum Ende der Gewalt und bis alle Frauen frei sind.
Welche Ergebnisse des Austausches haben Sie mit nach Hause genommen?
Weltweit spitzen sich die Krisen zu. Die Herrschenden rüsten auf und bereiten sich auf kommende Kriege um Ressourcen und Einfluss vor. In diesem Zusammenhang erheben sich Arbeiterinnen und Arbeiter, insbesondere die Jugend und Frauen. International entstehen Massenproteste und Aufstände gegen diese Zustände, die jedoch von den jeweiligen Herrschenden häufig brutal niedergeschlagen werden. Parallel dazu werden Überwachung und Repression gravierend ausgeweitet. Haft und Repression sind Teil der Geschichte politischer Kämpfe weltweit.
In einer gemeinsamen Abschlusserklärung wurde deutlich gemacht, dass sich die Art und Weise der Repression zwar von Land zu Land unterscheiden, ihr Ziel jedoch überall dasselbe ist. Das bedeutet, dass die praktische Solidarität mit politischen Gefangenen untrennbar mit den Kämpfen aller revolutionären Kräfte verbunden ist, die auf eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft abzielen. Politische Gefangene spielen eine besondere Rolle für den Widerstand. Sie stellen sich Isolation, psychischer und physischer Gewalt, Kommunikationsverboten, medizinischer Unterversorgung, Verlegungen, sexuellen Übergriffen und umfassender Entrechtung entgegen.
Wir tragen mit all unserer Arbeit und unserem Bewusstsein eine Verantwortung für politische Kämpfe weltweit. Die kapitalistischen Staaten sind mit ihren Repressionsorganen global vernetzt, deswegen muss auch unsere Solidarität international organisiert sein. Geplant sind koordinierte Aktionen an wichtigen Tagen des politischen Kampfes für Gefangene wie dem 8. März, dem 18. März, dem 17. April, dem 19. Juni und dem 3. Dezember.
Paola ist aktiv in der Roten Hilfe und hat an der Konferenz »Solidarität mit politischen Gefangenen« teilgenommen
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