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Aus: Ausgabe vom 20.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Flughafendrehkreuz

Äthiopiens Airport für Afrika

Pläne für beflügelte Wirtschaft: Neuer Großflughafen soll das Land zur Transportdrehscheibe auf dem Kontinent machen
Von Christian Selz, Kapstadt
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Bis 2030 soll die erste Bauphase für den südöstlich von Addis Abeba gelegenen Flughafen abgeschlossen sein

Klotzen statt kleckern: Am Sonnabend vergangener Woche hat Äthiopiens staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines den symbolischen ersten Spatenstich für einen neuen Flughafen gesetzt. Premierminister Abiy Ahmed, der dem offiziellen Baubeginn beiwohnte, erklärte auf der Onlineplattform X, dass der neue Bishoftu International Airport »das größte Luftfahrtinfrastrukturprojekt in der Geschichte Afrikas« werden solle. Für die erste Bauphase, deren Abschluss 2030 geplant ist, hat das Staatsunternehmen Kosten von 12,5 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Deutlich vergrößerte Passagier- und Frachtkapazitäten sollen den 45 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Addis Abeba gelegenen Flughafen zum Drehkreuz des Kontinents machen.

110 Millionen Passagiere sollen den neuen Flughafen einmal pro Jahr durchlaufen können, 270 Flugzeugparkplätze werden dann bereitstehen. Zum Ende der ersten Bauphase sollen bereits 60 Millionen Menschen jährlich über Bishoftu fliegen können. Ethiopian Airlines geht dabei davon aus, dass 80 Prozent der Passagiere den Flughafen zum Transit nutzen werden. Addis Abebas bisher existierender Flughafen Bole International Airport hat lediglich eine Kapazität von 22 Millionen Passagieren pro Jahr, die die in den vergangenen Jahren stark gewachsene staatliche Fluggesellschaft inzwischen fast vollständig ausschöpft.

Passagiere sind jedoch nur ein Teil der Überlegungen beim Flughafenneubau. Bishoftu wird auf einer Höhe von 1.400 Metern über dem Meeresspiegel liegen und damit 400 Meter tiefer als Bole. Die niedrigere Starthöhe bedeutet, dass Flugzeuge vor dem Start mehr Treibstoff tanken oder mehr Cargo aufnehmen können. Mit einer Güterumschlagskapazität von jährlich 3,7 Millionen Tonnen soll der neue Flughafen fast das fünffache Volumen des alten erreichen können. Für das Megaprojekt wurden 15.000 Menschen umgesiedelt, wofür Ethiopian Airlines nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank (African Development Bank, AfDB) 350 Millionen US-Dollar budgetiert hatte.

Äthiopien will sich mit dem neuen Flughafen zum Luftfrachtzentrum der Region aufschwingen und baut dabei vor allem auf die 2019 offiziell beschlossene Afrikanische Freihandelszone African Continental Free Trade Area (AfCFTA), der mit Ausnahme des Nachbarlands Eritrea alle anderen 54 afrikanischen Staaten angehören. Ziel dieses Vorhabens ist ein zollfreier Warenverkehr zwischen afrikanischen Staaten, mit dem zugleich der Aufbau größerer Industriekomplexe aufgrund vergrößerter Märkte und erleichterter Zulieferwege auf dem Kontinent begünstigt werden soll. Zwar dauern die Verhandlungen über die Ausgestaltung des Freihandels, insbesondere über Lokalisierungsregeln, noch immer an, weshalb bisher nur wenig zollfreier Warenverkehr stattfindet. Doch in Addis Abeba, zugleich Sitz der Afrikanischen Union (AU), setzt man offensichtlich auf die Umsetzung des Vorhabens. Entsprechend präsentierte der Vorstandsvorsitzende von Ethiopian Airlines, Mesfin Tasew, den Baubeginn des neuen Flughafens nicht nur als »wirklich stolzen Moment für ganz Afrika«, sondern auch als »Schlüssel zur Umsetzung der AfCFTA«.

Der panafrikanische Gedanke findet sich auch in der Finanzierungsstruktur wieder. 30 Prozent der veranschlagten 12,5 Milliarden US-Dollar will Ethiopian Airlines selbst aufbringen. Die AfDB hat sich verpflichtet, selbst 500 Millionen US-Dollar zu leihen. Die Entwicklungsbank wird zudem das Einwerben von weiteren 8,7 Milliarden US-Dollar koordinieren. Interessant ist zudem die Zusammensetzung der potentiellen Geldgeber, die laut Abraham Tesfaye, Leiter Infrastrukturentwicklung und Planung bei Ethiopian Airlines, bereits Interesse an dem Projekt gezeigt haben: Sie kommen demnach »aus dem Nahen Osten, Europa, China und den USA«. Für die Leitung des Bauvorhabens zeichnet ein Unternehmen aus Dubai verantwortlich, wobei der neue Flughafen zugleich in Konkurrenz zum dortigen Luftdrehkreuz treten wird. Insbesondere China hat über das vergangene Jahrzehnt eine strategische Partnerschaft mit Äthiopien aufgebaut – erst zu Jahresbeginn besuchte Außenminister Wang Yi das Land erneut. Aus China stammten in diesem Zeitraum über die Hälfte der Direktinvestitionen in Äthiopien.

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