Luxusgut des Tages: Gurke
Von Niki Uhlmann
Wenig gibt es, das im Winter nicht schwerer fällt. Und Einkaufen zählt mit Sicherheit nicht dazu. Selbst wenn man bei Schneesturm und kurzer Sicht nicht auf dem Glatteis verunglückt ist, sich also zum Supermarkt durchgeschlagen hat, hören die Beschwerden nicht auf. Resigniert werden jüngst viele in den Gemüseabteilungen der BRD Bekanntschaft mit der Winterdepression gemacht haben. »Mehr kaufen, mehr sparen«, bewirbt Netto zwei Salatgurken für 2,50 Euro als Schnapper. Edeka setzt noch einen drauf und bewirbt Biogurken zum Stückpreis von 1,49 Euro mit: »Sie sparen 0,50 Euro.« Man hält die Kundschaft offenbar für eine Gurkentruppe.
Im Schnitt sind die Kürbisartigen laut Destatis 80 Prozent teurer als im Oktober. Schuld ist diesmal nicht nur die Profitgier der Einzelhändler. Ursache seien ungünstige winterliche Witterungsverhältnisse in den Herkunftsländern, erklärte Gabriele Held von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft der dpa am Montag. Das Schlimmste sei aber schon überstanden, da sich Gurken ebenso wie Tomaten oder Paprika als Luxusgut schlicht nicht verkauften. So segnet der freie Markt mittels Knappheit und Mondpreis auch Gemüsefans mit einer Harmonie zwischen Angebot und Nachfrage. Eine Preisgrenze wäre wünschenswert, würde von der EU aber als überbordende Bürokratie abgetan. Geradegebogen werden mittels Normierung nur Produkte, niemals Preise!
Noch ist aber nicht alle Hoffnung verloren: Ein Stück Butter bekommt man beim Discounter wieder für einen einzigen Euro. Das freut die Konsumenten, ruft allerdings die Produzenten auf den Plan. »Unser größtes Problem ist der Preisverfall«, klagte Milchbauer Marc Berger vergangenen Mittwoch gegenüber SZ am Rande einer Demonstration vor dem Landwirtschaftsministerium Baden-Württembergs. Mein Vorschlag für eine mehrheitsfähige Parole: »Rauf mit dem Butterpreis, billigere Gurken!«
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Leserbrief von A. Graf aus Dresden (20. Januar 2026 um 14:38 Uhr)Unter den Aspekten von Klima- und Umweltschutz sind Gurken und Tomaten besonders im Winter als völlig überflüssig zu betrachten. Regionale und saisonale Ernährung geht anders! Aus Karotten, Sellerie und Co. (Stichwort »Wintergemüse«) lassen sich auch feine und gesunde Salate zaubern – zu günstigeren Preisen.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz Schoierer (20. Januar 2026 um 10:11 Uhr)Sommerloch-Artikel jetzt schon im Januar? Niki Uhlmann ist offensichtlich noch zu jung oder er lässt andere für sich einkaufen, um zu wissen, dass die erwähnten Gurken jeden Winter teurer werden. Bei diesem Produkt wäre eine »Preisgrenze wünschenswert« schreibt er. Nicht jedoch bei der Butter, da muss der Preis rauf. Bei der Butter sieht die Sache nämlich ganz anders aus, die wird überwiegend von deutschen Bauern (hochaktuelle Zielgruppe der jW) produziert.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich Hopfmüller aus Stadum (20. Januar 2026 um 16:05 Uhr)Tschuldigung, die Bauern lassen ihre Kühe das Rohmaterial für die Butter produzieren, ausgenommen werden sie dann von Molkereien und Einzelhandelsmonopolisten.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz Schoierer (21. Januar 2026 um 09:50 Uhr)Darauf hätte ich wetten können, dass da jemand auf diese Ungenauigkeit regiert. Ich hätte natürlich schreiben sollen: Das Rohmaterial wird überwiegend von deutschen Bauern geliefert. Was ändert der kleine Fehler an meiner Kritik am Autor, dem nicht bekannt ist, dass es gerade bei Gemüse, bedingt durch die Jahreszeit, Preisschwankungen gibt? Übrigens kommen die Gurken im Winter hauptsächlich aus Spanien. Ich hätte meine Kritik auch so formulieren können: Weil die spanischen Gurkenproduzenten offensichtlich nicht zur jW-Zielgruppe gehören, kann man da – im krassen Gegensatz zur deutschen (!) Butter – ruhig eine Preisgrenze fordern.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich Hopfmüller aus Stadum (21. Januar 2026 um 15:25 Uhr)Schon wieder ungenau. Die Erzeugerpreise müssten hoch, nicht die Preise für die EndkundIn. Allerdings ist die Argumentation im Artikel auch ungenau: »Das freut die Konsumenten, ruft allerdings die Produzenten auf den Plan. ›Unser größtes Problem ist der Preisverfall‹«. Erzeugen und Produzieren, diffiziler Unterschied.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz Schoierer (22. Januar 2026 um 14:04 Uhr)Der Autor bezieht sich, auch im letzten Absatz, eindeutig auf den Preis beim Discounter: »Ein Stück Butter bekommt man beim Discounter wieder für einen einzigen Euro.« Er fordert: »Rauf mit dem Butterpreis« Im Gegensatz zu Ihnen erkennt er damit indirekt an, dass es einen Zusammenhang zwischen Erzeugerpreis und Preis am Ladentisch gibt. Diesen Zusammenhang kann man nicht leugnen. Die Konkurrenz unter den Discountern hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass sogar auch die gesunkenen Erzeugerpreise teilweise an die Konsumenten weitergegeben wurden.
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