Kriegführen mit KI
Von Lars Pieck
Elon Musks KI-Chatbot Grok soll künftig gemeinsam mit Googles generativer KI in den Netzwerken des Pentagons eingesetzt werden. Das kündigte US-Minister Pete Hegseth, der seine Behörde vergangenes Jahr in Kriegsministerium umbenannt hat, am Montag an. Die Maßnahme ist Teil einer größeren Initiative, militärische Daten umfassend in die neue Technologie zu integrieren. Nach Hegseths Angaben sollen führende KI-Modelle perspektivisch sowohl in nicht klassifizierten als auch in geheimen Systemen des Ministeriums verfügbar sein. Die Ankündigung erfolgte nur wenige Tage, nachdem Grok weltweit für Empörung gesorgt hatte, weil der Chatbot pornographische Deepfake-Bilder ohne Zustimmung der Betroffenen generierte.
Auslöser war die Einführung des Bildgenerators Grok Imagine mit einem Modus für Inhalte für Erwachsene, der massenhaft zur Erstellung sexualisierter Bilder von Frauen und Kindern genutzt wurde. Es häuften sich Beschwerden, als Grok zahlreiche Bildbearbeitungsanfragen zu fremden Inhalten zuließ und Nutzer weiterhin per Texteingabe sexualisierte Darstellungen erzeugen konnten. Musk reagierte darauf, indem er die Bildgenerierung nur auf Premiumnutzer beschränkte, in manchen Weltregionen ganz sperrte. Verschärft wurde die Situation dadurch, dass Musk Grok gezielt als provokativere Alternative zu stärker regulierten KI-Systemen bewirbt und die generierten Bilder öffentlich sichtbar sowie leicht auf X verbreitbar sind. Regierungen und Behörden in Europa, Asien und Südamerika reagierten mit scharfer Kritik; Malaysia und Indonesien sperrten Grok, während die britische Onlinesicherheitsbehörde eine Untersuchung einleitete. Dies ist nur einer von vielen Skandalen um den Chatbot, der erst im Sommer vergangenen Jahres den Holocaust leugnete und sich selbst als »Mecha-Hitler« bezeichnete.
Ungeachtet dessen kündigte Kriegsminister Pete Hegseth an, dass Grok noch in diesem Monat im Verteidigungsministerium in Betrieb genommen werde und dass er »alle geeigneten Daten« aus den IT-Systemen des Militärs für die »Nutzung durch KI« bereitstellen werde. Er fügte hinzu, dass auch Daten aus Geheimdienstdatenbanken in die KI-Systeme eingespeist würden.
Diese Kooperation ist ein Teil der KI-Strategie des Pentagons, zuvor hatte es bereits eine Partnerschaft mit Googles Gemini AI geschlossen. Laut einer Erklärung des Kriegsministeriums vom Dezember sollen rund drei Millionen Militärangehörige, zivile Mitarbeiter und Auftragnehmer Zugang zu »Gen AI.mil« auf Basis von »Gemini for Government« erhalten. Nach einer kostenlosen Schulung können alle Berechtigten die Plattform nutzen, die darauf abzielt, eine »KI-orientierte« Belegschaft aufzubauen und das Militär effizienter zu machen. Parallel erklärte Google in einer Presseerklärung, dass Gemini und die Google-Cloud ausschließlich für nicht klassifizierte Aufgaben des Verteidigungsministeriums eingesetzt werden sollen. Zudem solle die Produktivität der Belegschaft gesteigert werden, indem komplexe Verwaltungsaufgaben optimiert werden. Dazu gehört, Richtlinienhandbücher zusammenzufassen, projektspezifische Regeln und Vorschriften zu erstellen, wichtige Punkte aus Aufgabenbeschreibungen herauszufiltern und detaillierte Risikobewertungen für die Planung zu erstellen.
Hegseth treibt den Einsatz der sich noch in Entwicklung befindenden Technologie aggressiv voran. Ende 2024 hatte die Biden-Regierung Richtlinien erlassen, die nationale Sicherheitsbehörden anwiesen, bestimmte Anwendungen zu unterlassen. Etwa solche, die verfassungsmäßig geschützte Bürgerrechte verletzen oder den Einsatz von Atomwaffen automatisieren könnten. Ob diese Verbote unter der Trump-Regierung noch gelten, ist unklar. Der Kriegsminister betonte, dass er KI-Systeme im Pentagon ablehne, »die es nicht ermöglichen, Kriege zu führen«. Seine Vision sieht vor, militärische KI »ohne ideologische Einschränkungen, die militärische Anwendungen begrenzen«, zu nutzen, die zudem ausdrücklich »nicht woke« ist. Grok alias »Mecha-Hitler« sollte Hegseths Vorstellung einer solchen KI entsprechen.
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