Aus Leserbriefen an die Redaktion
Nach rechts gelunzt
Zu jW vom 29.12.2025: »Die Verachtung«
Die Ikone des französischen Autorenkinos kommt in dem Nachruf von Stefan Ripplinger erstaunlich gut weg, wenn man bedenkt, dass sie über 30 Jahre ihres Lebens mit Bernhard d’Ormale, einem ausgesprochenen Unterstützer und Berater Jean-Marie Le Pens, verheiratet war. Auch Brigitte Bardot selbst würdigte den Gründer des Front National beispielsweise in ihrer Autobiographie 1996 als »charmant« und »intelligent« und teilte auch hier schon seine Hetztiraden gegen Immigration. 2012 ging sie bei französischen Bürgermeistern um eine »Parrainage«, eine Wahlempfehlung für die Zulassung zum Präsidentschaftswahlkampf, für Le Pen betteln, 2022 warb sie um Unterstützung für Éric Zemmour. Ihre offenkundige Zuneigung zum französischen Rechtsaußenspektrum krönte sie nicht zuletzt im Jahre 2014 mit der Gleichsetzung von Marine Le Pen als »Jeanne d’Arc des 21. Jahrhunderts«. Kein Wunder, dass letztere auch an ihrer Beerdigung teilnehmen wird!
Angela Naujoks, Ingolstadt
Weiss weiß mehr
Zu jW vom 27./28.12.2025: »Götter gegen Giganten«
Schade! Ein wenig mehr Ästhetik des Widerstands wäre dem Thema angemessen gewesen: »… seine Götter. Die hat sich der Mensch erfunden, um all den Horror der realen Welt zu ertragen.« Klar, Kunstinterpretation ist immer subjektiv. Trotzdem stört es mich, wenn in einer marxistischen Zeitung ein Subjekt wie »der Mensch« Religion »erfindet«. »Die Begünstigten wußten, daß es keine Götter gab, denn sie, die sich deren Maske aufsetzten, kannten sich selbst. Desto mehr drängten sie darauf, sich mit Pracht und Würde zu umgeben. Die Kunst diente ihnen dazu, ihrem Rang, ihren Befugnissen den Anschein des Übernatürlichen zu verleihen. (…) Doch gehörte dem Werk immer noch derselbe Zwiespalt an, der zu der Zeit galt, als es entstanden war. Dazu berufen, königliche Macht auszustrahlen, konnte es gleichzeitig befragt werden nach seinen Eigenarten des Stils, nach seiner plastischen Überzeugungskraft. Pergamon war zu seiner Glanzzeit, ehe es im Byzantinischen Reich verfiel, berühmt für seine Gelehrten, seine Schulen und Bibliotheken, (…) Das Verstummen, die Lähmung derer, deren Los es war, in die Erde gestampft zu werden, war weiterhin spürbar. Sie, die eigentlichen Träger des ionischen Staats, des Lesens und Schreibens nicht kundig, ausgeschlossen vom künstlerischen Wirken, taugten nur dazu, einer kleinen Schicht von Begünstigten den Reichtum und der Elite des Geistes die notwendige Muße zu schaffen. (…), in den knienden vertierten Wesen aber konnten sie sich erkennen. Diese trugen, in Grobschlächtigkeit, Erniedrigung und Geschundenheit, ihre Züge. Dass die Darstellung des Götterflugs und der Vernichtung andrängender Gefahr nicht den Kampf des Guten gegen das Böse zum Ausdruck brachte, sondern den Kampf zwischen den Klassen, wurde nicht nur in unserer heutigen Betrachtung, sondern vielleicht auch schon von manchem geheimen Blick damaliger Leibeigner erkannt.« Soweit Peter Weiss in »Die Ästhetik des Widerstands«, Bd. I, S. 10, 13.
Kunibert Erbel, Frankfurt am Main
Wichtiger Zeuge
Zu jW vom 3./4.1.: »Immer im Zentrum«
Die Erinnerung an Wilhelm Pieck ist wichtig. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass er eigentlich als dritter vorgesehen war, 1919 nach Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von Soldaten der rechten konterrevolutionären Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet zu werden. Nur durch glückliche Umstände entging er seinem Schicksal. In einem zehn Jahre später geführten Prozess gegen einen Journalisten trug er als Zeuge mit dazu bei, dass sich dort herausstellte, dass der mit der Untersuchung des Mordes an Karl und Rosa befasste Ermittlungsrichter deren Mörder gedeckt hatte.
Ralph Dobrawa, Gotha
Am System zweifeln
Zu jW vom 31.12.2025: »Rotlicht: Automat«
Arbeit muss man immer neu denken. Die Welt ändert sich, sie bleibt nicht stehen. Das wäre doch schlimm. Heute ist es eben so, dass der Mensch die Maschinen entwerfen und ihnen beibringen muss, was sie wann und wie tun müssen. Das ist hochentwickelte Ingenieursarbeit. Es kann nicht jeder Ingenieur werden. Die Maschinen und Anlagen aber müssen bedient, überwacht und gewartet werden. Sonst würden sie nur herumstehen. Auch das ist eine sehr wichtige Arbeit. Dazu benötigt der Prozess Ökonomen usw. Es muss auch jemand die Maschinenhalle sauber machen. Es gäbe genug Arbeit für alle. An der Art der Arbeit zu kritteln scheint mir ein bisschen wie Maschinenstürmerei. Am System zu zweifeln, das nicht in der Lage und willens ist, die neue Arbeit so zu organisieren, dass sie Spaß macht, ist meines Erachtens das, was wir diskutieren sollten.
Barbara Wolterstädt, Berlin
»Kapitalismus des 19. Jahrhunderts«
Zu jW vom 23.12.2025: »Kapitale Pläne«
Katherina Reiche vertritt die Positionen des altmodischen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts – durch Ausweitung des Arbeitstages die Produktion des absoluten Mehrwerts zu steigern. Offensichtlich weiß Reiche nicht, dass es dafür objektive Grenzen gibt. Sie würde wohl – wenn sie es könnte – den Arbeitstag auf 24 Stunden ausdehnen. Interessant und traurig ist, dass die derzeitigen Vertreter des Monopolkapitals ihre eigenen Erfolgsrezepte vergessen: Sie sind ungetreue Erben. In der BRD wurde erfolgreich ein Kampf für die Verkürzung des Arbeitstages geführt. Es gab die wirksame Losung »Samstags gehört Vati mir«. Aber gleichzeitig gab es eine rasante Steigerung der Produktivität der lebendigen Arbeit, so dass der relative Mehrwert immer weiter erhöht wurde. Reiche will zurück ins 19. Jahrhundert. Eine Zukunftsperspektive für die kapitalistische Wirtschaft ist das nicht. Eine Wirtschaftsministerin am falschen Ort zur falschen Zeit.
Bernd Vogel, Leipzig
Katherina Reiche würde wohl – wenn sie es könnte – den Arbeitstag auf 24 Stunden ausdehnen.
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
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