China verdoppelt den Reis
Von Jörg Kronauer
Es könnte ein vielversprechender Durchbruch im globalen Kampf gegen den Hunger sein: Chinesische Wissenschaftler haben laut einem Bericht der South China Morning Post einen neuen Hybridreis entwickelt, mit dem sich nicht nur der Ertrag deutlich steigern ließe; von einer potentiellen Verdoppelung der globalen Reisernte ist die Rede. Das ganz Besondere an der neuen Sorte, die ein Forscherteam des Nationalen Reisforschungsinstituts an der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaften in einem aufwendigen Prozess gezüchtet und getestet hat: Der neue Hybridreis klont sich, im Unterschied zu bisherigen Sorten, selbst. Mussten die Reisbauern bisher nach jeder Ernte teures neues Saatgut kaufen, wenn sie den ertragreicheren Hybridreis anbauen wollten, so könnte das künftig nicht mehr nötig sein. Das senkt die Kosten für die Aussaat von Hybridreis laut dem Forscherteam um bis zu 99 Prozent auf einen Betrag, der auch bei der Aussaat von traditionellem, nichthybridem Reis anfällt.
Bestätigen sich die Ergebnisse des chinesischen Forscherteams, dann ergeben sich attraktive Chancen für Reisbauern, und es ergibt sich die Chance, weltweit erheblich mehr Reis zu ernten, um die Versorgung der weiterhin wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln zu verbessern. Eine schlechte Nachricht ist das bloß für Agrarkonzerne, etwa Bayer, die mit Saatgut für Hybridreis eine Menge Geld verdienen und damit zugleich zahllose Bauern in Abhängigkeit von sich bringen. Ihre riesige Marktmacht ist, was die Reisbranche anbelangt, bedroht. Chancen ergeben sich darüber hinaus für die Volksrepublik – und dies nicht bloß, weil sie vor allem im globalen Süden auf ein großes Interesse an der neuen Reissorte hoffen kann. Die günstige Ertragssteigerung verbessert zudem die Aussicht, die Abhängigkeit vom Import riesiger Volumina an Reis – China ist größter Reisimporteur der Welt – zu verringern. Das wiederum brächte Fortschritte für die Bestrebungen der Volksrepublik, von der Einfuhr von Nahrungsmitteln unabhängig zu werden.
Auf dieses Ziel arbeitet China seit geraumer Zeit hin. Die Versorgung seiner 1,4 Milliarden Menschen starken Bevölkerung ist eine Mammutaufgabe, die bislang nur mit der Einfuhr von Lebensmitteln bewältigt werden kann. In Zeiten eskalierender globaler Machtkämpfe ist das ein Problem, zumal, wie Zheng Fengtian, ein Professor für Landwirtschaft an der Renmin-Universität in Beijing, im Oktober gegenüber der South China Morning Post feststellte, »die globale Nahrungsmittelversorgung zu großen Teilen von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten kontrolliert wird«. Das macht die Volksrepublik in besonderem Maße angreifbar. Bereits im vergangenen 14. Fünfjahresplan für die Jahre von 2021 bis 2025 bildete die Nahrungssicherheit – neben Energie und Finanzen – einen der drei Schwerpunkte im Kontext der Bestrebungen, die Sicherheit der chinesischen Wirtschaft zu garantieren. Das wird wohl auch im 15. Fünfjahresplan, der im März offiziell abgesegnet werden soll, so bleiben. Erst zum Jahreswechsel hat Präsident Xi Jinping dazu aufgerufen, weiter an der Modernisierung der Landwirtschaft zu arbeiten, um die Getreideernte massiv zu steigern. Eine größere Reisernte trüge ebenfalls dazu bei.
Langfristig dürfte Chinas – von der Bedrohung durch den Westen erzwungenes – Streben nach Autarkie in seiner Nahrungsversorgung übrigens in Europa negativ zu Buche schlagen. Die EU-Staaten verdienen viel Geld mit der Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte in die Volksrepublik; im Jahr 2020 erreichte der Wert mit 17,7 Milliarden Euro einen Höchststand. Seitdem geht es langsam, aber sicher bergab – zum einen, weil China, wie erwähnt, seine Eigenproduktion steigert, um unabhängig zu werden; zum anderen, weil Beijing auf manche Produkte Gegenzölle gegen EU-Zölle auf Einfuhren aus der Volksrepublik verhängt hat. Im Jahr 2024 betrugen die landwirtschaftlichen Ausfuhren nach China nur noch 13,2 Milliarden Euro. Es ist wie in anderen Branchen auch: Zwingt man China mit einem Wirtschaftskrieg, vom Westen unabhängig zu werden, dann brechen eben die Exporte ein.
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