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Aus: Ausgabe vom 03.01.2026, Seite 5 / Inland
Kampf gegen Klimawandel

Klimakatastrophe mittlerweile egal

Verbrenner-Aus, Gaskraftwerke, Zertifikatehandel: Industrie, Lobbyisten und Bundesregierung untergraben Maßnahmen gegen Erderwärmung mit voller Kraft
Von Wolfgang Pomrehn
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Auch Berlin vom Extremwetter nicht verschont: Heftiger Regenschauer im Juni auf dem Alexanderplatz

Erneut liegt ein Jahr voller Wetter- und Klimakatastrophen hinter uns, doch hierzulande scheint das weder die Industrieverbände noch ihre Regierung in Berlin übermäßig zu stören. Die direkt vom Eon-Konzern ins Wirtschaftsministerium gewechselte Katherina Reiche (CDU) drängt hingegen auf neue Gaskraftwerke und mehr Frackinggas aus den USA, die Autolobby hat – mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Kanzleramt – in Brüssel endlich das Aus für den Verbrennungsmotor aufgeweicht und Klimaschutz – so haben es Union und SPD in ihren Koalitionsvertrag geschrieben und schließlich in Brüssel durchgesetzt – soll künftig über fragwürdige Zertifikate simuliert werden. Staaten und Projekte außerhalb der EU sollen für – mitunter zweifelhafte – Klimaschutzmaßnahmen bezahlt werden, die sich die Westeuropäer dann selbst anrechnen. Dass die durchaus auch darin bestehen können, Urwald abzuholzen, dessen Bewohner recht gewalttätig zu vertreiben, um dann auf der gerodeten Fläche Holzplantagen anzulegen, hat vor einigen Wochen eine ARD-Dokumentation über von der Weltbank finanzierte Projekte in Brasilien gezeigt.

Derweil schreitet die Klimakrise voran. Deutschland erlebte erneut ein insgesamt sehr trockenes Jahr, so der Deutsche Wetterdienst in seiner Jahresbilanz. Zudem war der Niederschlag für die Landwirtschaft sehr ungünstig verteilt, das Frühjahr, die wichtige Wachstumszeit, fiel besonders im Osten extrem trocken aus. Dagegen gab es im Sommer vielerorts Starkniederschläge. Insgesamt war 2025 hierzulande eines der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, während es im globalen Maßstab nach 2024 und gleichauf mit 2023 das zweitwärmste war. Das lässt nicht nur Gletscher und Polkappen schrumpfen und hat eine derzeit immer noch eisfreie Ostsee zur Folge, was für die jetzige Jahreszeit äußerst ungewöhnlich ist. Es sorgt auch für immer wärmer werdende Meere, wodurch die tropischen Korallenriffe abgetötet werden. Verstärkte Verdunstung führt zu immer heftigeren Stürmen und Niederschlägen.

Entsprechend nehmen weltweit auch die schweren Unwetter zu. Die Londoner Initiative World-Weather-Attribution hat die weltweit 157 stärksten Extremwetterereignisse identifiziert, gemessen an Ausmaß, Schäden, Todesopfern und Zahl der Betroffenen. In vielen Fällen würden diese Wetterkatastrophen durch die globale Erwärmung deutlich häufiger und intensiver, wie etwa die schwere Dürre, die bereits fünf Jahre lang weite Teile des Irans und des Iraks plagt, oder die beiden tropischen Wirbelstürme, die Ende November die Malaiische Halbinsel und den Norden Sumatras und Sri Lanka heimsuchten und rund 2.000 Menschen töteten.

Unterdessen ist Deutschland auf dem besten Wege, seine selbstgesteckten und mit den anderen EU-Mitgliedern verabredeten unzureichenden Klimaziele zu verfehlen. Insbesondere die Ziele für die Bereiche Verkehr und Gebäude werden nicht erreicht, wofür beim nächsten Abrechnungstermin im Jahr 2030 Dutzende Milliarden Euro an Ausgleichszahlungen gegenüber anderen EU-Staaten fällig werden, die sorgsamer mit dem Klima umgehen. Noch wäre zumindest das für 2045 gesteckte Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, so das Umweltbundesamt (UBA) im Dezember. Nötig wäre dafür allerdings unter anderem, dass die Fernwärme schnell ausgebaut und dekarbonisiert wird. Außerdem fordert das UBA, dass am Verbrenner-Aus festgehalten und es in Deutschland sogar mindestens drei Jahre vorgezogen wird. »Im Jahr 2030 sollten mindestens neun von zehn neu zugelassenen Pkw rein elektrisch sein«, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten UBA-Studie. Schließlich müssten auch die Gaskraftwerke spätestens 2040 stillgelegt werden. Ministerin Reiche will hingegen mit Rückendeckung des Bundeskanzlers Subventionen für den Neubau von rund 20 derartigen Anlagen verteilen. Die Antiklimaschutzpolitik der Bundesregierung wird also nicht nur die Zukunft der jungen Generation zerstören, sondern zusätzlich die steuerzahlende Bevölkerung teuer zu stehen kommen.

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