Tödlicher Torwart
Von André Dahlmeyer
In Jahr 1967 publizierte der argentinische Sportjournalist Dante Panzeri die Bibel des Balltretens »Fútbol, dinámica de lo impensado« (Fußball, Dynamik des Unvorhergesehenen). Wie er hier die unberechenbare Natur des Fußballs skizziert, ist unübertroffen. Ein magistraler Pass wie aus einem anderen Match, ein Sonntagsschuss. Panzeri hat den Fußball vom Makel der Logik befreit, dessen Magie durch seine Feder strömen lassen, wie niemand vor ihm. Wird auch niemand mehr hinkriegen. Bibel ist Bibel.
Am Mittwoch fand im Ahmed-bin-Ali-Stadion in Al-Rayyan, Katar, das Finale um den Interkontinentalpokal zwischen Champions-League-Gewinner Paris Saint-Germain und Copa-Libertadores-Sieger Flamengo aus Rio de Janeiro statt. Dass die Brasilianer es bis zum Penaltyballern schafften, war keine wahnsinnige Überraschung. Der Held des Abends schon, niemand kannte ihn. Während bei PSG-Weltfußballer Ousmane Dembélé seinen Strafstoß gleich bis nach Bahrain schoss, parierte der Ersatztormann von PSG, der im Nordkaukasus geborene Russe Matwej Safonow (mit Haarschnittproblemen), gleich vier Elfmeter nacheinander. Das sicherte den Parisiens (und Frankreich) den ersten Weltpokal ihrer Vereinsgeschichte und den sechsten Titel der Saison (nur bei der Klub-WM schwächelten die Jungs des Asturiers Luis Enrique), was bislang nur den Trainern Pep Guardiola (2009) und Hansi Flick (2020) gelang. Nach der regulären Spielzeit hatte es 1:1 gestanden, nach der Verlängerung noch immer.
Chwitscha Kwarazchelia hatte die Frankreicher kurz vor der Pause mit einem Abstauber in Front gebracht, nachdem Agustín Rossi, Exboca Juniors, einen Pass von Désiré Doué nur hatte abklatschen können. Jorginho glich das Spiel nach einer Stunde per Strafstoß (Marquinhos an De Arrascaeta) aus. Flamengo hatte den damaligen Weltpokal bereits 1981 in Tokio (mit Zico und 3:0 gegen den FC Liverpool) gewonnen. Das letzte Mal, dass der Titel nach Südamerika ging, war 2012, als Corinthians Paulista den FC Chelsea besiegte. Ein Schelm, wer den Triumph von PSG im Land der PSG-Eigentümer überraschend findet.
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