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Aus: Ausgabe vom 19.12.2025, Seite 7 / Ausland
Krieg gegen Palästinenser

Israel lässt Kinder erfrieren

Gaza: Tel Aviv verhindert Aufbau von Unterkünften
Von David Siegmund-Schultze
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Ein Lagerfeuer soll der nächtlichen Kälte in den Ruinen von Dschabalija Abhilfe schaffen (17.12.2025)

Said Abdin ist der Name des vierten Kindes, das in der vergangenen Woche im Gazastreifen erfroren ist. Das frühgeborene Baby sei in einem Zeltlager an schwerer Unterkühlung gestorben, berichteten Krankenhausmitarbeiter gegenüber dem US-Nachrichtenportal Drop Site am Donnerstag. Israels anhaltende Blockade von Notunterkünften erschwere ihre Hilfsmaßnahmen, heißt es in einer Stellungnahme des UN-Palästinahilfswerks UNRWA vom Vortag – während das Gebiet bei niedrigen Temperaturen von schweren Regenfällen und Stürmen getroffen wird. Die Unterkünfte von 55.000 Familien sind laut UN-Angaben durch die Unwetter beschädigt oder zerstört worden. Derweil lagern Drop Site zufolge Güter zur Unterbringung von mehr als 1,3 Millionen Menschen an der Grenze der Trümmerlandschaft Gaza.

Während Israels Militär trotz des im Oktober vereinbarten »Waffenstillstandsabkommens« fast täglich Menschen tötet – am Donnerstag meldete die lokale Gesundheitsbehörde einen Toten und 13 Verletzte in den vergangenen 24 Stunden – kamen am Mittwoch neue Details darüber ans Licht, wie sich Washington die Zukunft der abgeriegelten Enklave vorstellt. Die de-facto-Macht über das Gebiet soll nicht wie zunächst angekündigt vom »Friedensrat« ausgehen, sondern von einem kleinen Komitee um den US-Sondergesandten Steve Witkoff, den britischen Expremier Tony Blair und Donald Trumps Schwiegersohn, den Immobilienmogul Jared Kushner. Das berichtete die Onlinezeitung Times of Israel unter Berufung auf israelische Offizielle. Der »Friedensrat« soll demnach nur eine symbolische Funktion einnehmen. Neben den Staatschefs von Ägypten, Katar, Großbritannien und Italien habe sich auch die BRD bereit erklärt, dem neokolonialen Gremium anzugehören.

Unterdessen hat der hochrangige Hamas-Politiker Chalid Maschal eine gewichtige Positionsverschiebung bestätigt, die sich in den vergangenen Jahren bereits angedeutet hatte: Die Hamas würde einen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 akzeptieren, wenn das dem Willen der Palästinenser entspricht, sagte Maschal in einem Interview mit Drop Site vergangene Woche.

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