Die besten beiden
Von André Dahlmeyer
Einen wunderschönen guten Morgen! Racing Club aus Avellaneda und Estudiantes La Plata sind die Finalisten der argentinischen Meisterschaft des Torneo Clausura der Primera División. Die beiden besten Mannschaften der, sagen wir, letzten drei Jahre im silberländischen Balltreten. Das heißt, der neue Meister wird nicht aus der Hauptstadt, sondern aus der Provinz Buenos Aires kommen. Das letzte Team aus dem Inland, Central Córdoba aus Santiago del Estero, war im Viertelfinale ausgeschieden.
Im ersten Halbfinale erwartete am Sonntag Boca Juniors im eigenen Stadion La Bombonera (Pralinenschachtel) das Team von Racing Club. Das Niveau des Matches war diskret, wie erwartet. Beide Teams hatten ebenso in der Gruppenphase gekickt. Racing hatte sich auf die Copa Libertadores konzentriert, bei Boca Juniors war mal wieder alles auf den FC Hollywood geeicht. Boca Juniors und Rekordmeister River Plate gehörten zu den schlechteren Teams dieses Semesters. Am Ende hatte Boca seine Gruppe mit einer Reihe von effizienten, jedoch ischämischen Matches sogar noch gewonnen, Racing war mit einem Lauf Dritter geworden. Das hätte ganz anders ausgehen können, die Gruppe war super eng. Racing, Gewinner der Recopa Sudamericana (südamerikanischer Supercup), war bis ins Halbfinale der Libertadores gekommen. Boca hatte nicht mal Energie, sich die Wunden zu lecken (oder die Windeln zu wechseln). Doch während bei Boca seit Jahren die Frage des Trainers Schleudertraumata verursacht, hat Racing mit Gustavo Costas einen Mann an der Kalklinie, der die DNA des Vereins in den Venen trägt. Er ist der absolut verrückteste aktive Trainer (weltweit), den ich kenne. Man glaubt ihm jedes Wort. Das sage ich, Fanatiker des Club Atlético Independiente, des ewigen und seit Äonen erfolglosen Erzrivalen von Racing. Unser Stadion liegt 120 Meter von dem von Racing entfernt. Ich bin mal mit dem Hubschrauber drübergeflogen, hatte aber kein Napalm dabei.
Costas ließ im Tempel Bocas, bedingt durch wichtige Sperren, mit einer Fünferkette antreten. Defensiv ging die Chose auf, offensiv fehlte Volumen. Boca Juniors spielte wie im Viertelfinale gegen Argentinos Juniors, zurückgeworfen und auf Konter geiernd. Die erste Halbzeit war eine Schande für den Fußball an sich. Nach dem Wechsel rückten die »Xeneizes« vor. Das Publikum wurde unruhig. Eine Warholstunde vor Schluss köpfte Maravilla Martínez, der seit zehn Spielen nicht mehr getroffen hatte, eine Linksflanke von Rojas vom Sanktionspunkt brutal in die Reusen von Agustín Marchesin, während sich bei Boca Juniors Edinson Cavani beim Warmmachen eine böse Zerrung der Schultermuskulatur zuzog, Ende einer Epoche, und die Fans die Auswechslung von Flügelflitzer Zeballos mit Mütterflüchen beantworteten. Boca zeigte keine Reaktion, war pure Impotenz.
Im zweiten Halbfinale trafen die Teams aus La Plata, Gimnasia und Estudiantes, aufeinander. Beide waren durch die Hintertür in die Playoffs geraten. Normalerweise gewinnt immer, seit Äonen, Estudiantes. War dieses Mal nicht anders. Der Kolumbianer Cetré gab nach einer Stunde eine scharfe Flanke von links rein und Palacios wummte das Runde aus Schmauchspursdistanz rein. Sah ganz einfach aus. Bis dahin war Gimnasia mehr gewesen. Historische Bilanz: 69 Siege für Estudiantes, 51 für Gimnasia, der Rest Salzstangen. Das Finale steigt kommenden Sonnabend im peronistischen Vorzeigestadion der ärmsten Provinz Argentiniens in Santiago del Estero. Ich halte für Racing.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Sport
-
Nichts für Puristen
vom 10.12.2025