Hepatits-B-Impfpflicht in USA gecancelt
Von Lars Pieck
Der US-Gesundheitsminister und seit Jahren als Impfgegner aktive Robert F. Kennedy Jr. treibt seine Agenda weiter voran: Ein Beratergremium der Gesundheitsbehörde (CDC) stimmte Ende vergangener Woche dafür, die seit Jahrzehnten geltende Empfehlung zu lockern, Säuglinge direkt nach der Geburt gegen Hepatitis B zu impfen. Künftig sollen Mütter, die negativ auf Hepatitis B getestet wurden, gemeinsam mit ihrem Arzt entscheiden können, ob ihr Kind die Geburtsdosis erhält. Das Gremium empfiehlt zudem, die erste Impfung frühestens im Alter von zwei Monaten vorzunehmen.
Der Ausschuss berät die CDC zu Impfstoffen, und seine Empfehlungen wurden bislang fast immer übernommen. Nachdem Kennedy im Juni das gesamte 17köpfige Gremium entlassen und durch mehrere Impfkritiker ersetzt hatte, liegt die Entscheidung nun bei dem amtierenden CDC-Leiter Jim O’Neill. Präsident Donald Trump begrüßte die Empfehlung am Freitagabend als »sehr gute Entscheidung« und forderte zugleich, die US-Impfstandards an weniger strenge Vorgaben anderer Länder anzupassen.
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hingegen verurteilte die CDC-Entscheidung scharf und berief sich auf eine gemeinsame Erklärung seines Bundesstaats mit den Gouverneuren von Oregon, Washington und Hawaii. Darin werfen sie dem Gremium vor, »keine glaubwürdigen Beweise« für die Änderung geliefert zu haben, und empfehlen weiterhin die Impfung Neugeborener innerhalb der ersten 24 Stunden sowie konsequente Folgeimpfungen. Zwar erstellt die CDC den nationalen Impfkalender, die Bundesstaaten entscheiden jedoch selbst, ob und in welchem Umfang sie die Empfehlungen umsetzen. Führende US-Fachgesellschaften, darunter die American Academy of Pediatrics, sowie mindestens zwölf Bundesstaaten kündigten an, die neue Empfehlung zu ignorieren und weiterhin alle Neugeborenen gegen Hepatitis B zu impfen. Auch mehrere Gesundheitsbehörden halten an der bisherigen Praxis fest. Der Branchenverband AHIP erklärte zudem, dass Krankenkassen die Geburtsimpfung weiterhin erstatten werden, selbst wenn Versicherungsbedingungen überprüft werden müssten.
Hepatitis B ist eine schwere Leberinfektion, die bei den meisten Erwachsenen innerhalb von sechs Monaten abklingt, bei Säuglingen und Kleinkindern jedoch oft chronisch verläuft und zu Leberversagen, Leberkrebs oder Zirrhose führen kann. Viele Infizierte zeigen keine Symptome und wissen nichts von ihrer Erkrankung. Laut Weltgesundheitsorganisation wird eine Hepatitis-B-Infektion im Säuglingsalter in etwa 95 Prozent der Fälle chronisch, mit langfristigen Leberschäden. Übertragen wird das Virus bei Erwachsenen vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder geteilte Nadeln, zudem kann eine infizierte Mutter ihr Kind anstecken. Seit 1991 empfehlen Experten die erste Impfdosis direkt nach der Geburt, um Ansteckungen zu verhindern. Seither sind die Infektionszahlen um rund 90 Prozent gesunken. Die vollständigen Auswirkungen einer Umkehrung werden erst mit der Zeit sichtbar werden.
Die Entscheidung, von einem als sicher geltenden Impfstoff abzurücken, wirft zudem Fragen zur angekündigten umfassenden Überprüfung aller Standardimpfungen für Kinder auf. Trump bekräftigte nun seine Unterstützung für diesen Kurs. Laut einem entsprechenden Memorandum sollen »überlegene« internationale Vorgehensweisen übernommen werden. Trump kritisierte, dass Kinder in den USA derzeit gegen 18 Krankheiten geimpft werden sollen, womit das Land eine »Sonderstellung« einnehme. Zum Vergleich nannte er Deutschland mit Impfungen gegen 15 Krankheiten und Dänemark mit lediglich zehn. Auch weitere Empfehlungen würden von den Standards anderer Industrienationen abweichen, ohne jedoch genauer zu benennen, welche dies seien.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Hartberg (9. Dezember 2025 um 22:19 Uhr)Kenn I di wird natürlich wie die Reichen von solchen Impfungen Gebrauch machen. Nur die untere Mittelklasse und die Armen sollen verrecken, dahinsiechen.
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