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Aus: Ausgabe vom 02.12.2025, Seite 15 / Natur & Wissenschaft
Paläontologie

Neuestes vom Ältesten

Funde in Ostafrika: Stammbaum der Menschen und Vormenschen komplizierter als gedacht
Von Felix Bartels
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Damals noch ein Star: Lucy in Prag

Lucy selbst wird es nicht jucken – ihr Stern sinkt. Länger hatten sie und ihre Artgenossen, die Australopithecus afarensis, als die einzigen frühesten Menschvorfahren in Ostafrika gegolten. Nun hat eine Forschungsgruppe um Yohannes Haile-Selassie von der Arizona State University im naturwissenschaftlichen Fachjournal Nature die Ergebnisse von Untersuchungen präsentiert, nach denen der Stammbaum, dessen Ende von uns Homo sapiens markiert wird, weitaus komplizierter und chaotischer ist, als bislang angenommen. Welche der durch Funde bestimmten Australopithecus- und frühen Homo-Spezies zu den Vorfahren der Menschen gehören, ist weniger klar zu sagen denn je.

Als Schlüsselfund erwies sich hier vor allem ein 2009 im äthiopischen Afar-Dreieck entdecktes Fußskelett. Der »Burtele-Fuß« besteht aus acht fossilen Knochen im Alter von etwa 3,4 Millionen Jahren, aus der Zeit von Lucy und ihren Artgenossen also. Er unterscheidet sich jedoch von den Funden um Lucy. 2015 wurde ein Kieferknochen in derselben Umgebung entdeckt. Auch dessen Merkmale in Kiefer und Zähnen wichen von denen des Australopithecus afarensis ab. So ordneten die Forscher die Stücke einer neuen Vormenschenart zu, dem Australopithecus deyiremeda. Trotz eines ähnlichen Alters aber stammte der Kieferknochen aus einer anderen Fundschicht als der Fuß, was ohne weiteres nicht erklärbar schien.

In den folgenden Jahren untersuchte Haile-Selassies Team die Fundumgebung systematisch und konnte nun Erfolg vermelden. Man entdeckte weitere Kieferfragmente mit insgesamt zwölf Zähnen, Teile einer Hüfte und eines Kieferknochens, die sich aufgrund ihrer Merkmale dem Australopithecus deyiremeda zuordnen lassen, wie bereits der 2015 gefundene Kieferknochen. Zugleich stammt ein Teil der neu gefundenen Fragmente aus derselben Fundschicht wie der Burtele-Fuß. Weil die Funde zudem in räumlicher Nähe zu diesem liegen, »können wir ihn relativ zuverlässig derselben Spezies zuordnen«, schreiben die Forscher in Nature. Die sichere Zuordnung nun des Burtele-Fußes zum Australopithecus deyiremeda ist zugleich ein Beleg dafür, dass Lucy und ihre Artgenossen nicht die einzigen Vormenschen ihrer Zeit in der ostafrikanischen Region waren, aus der die ältesten Funde vormenschlicher Spezies stammen.

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  • Leserbrief von Hans-Jürgen Thiele aus Chemnitz (3. Dezember 2025 um 12:28 Uhr)
    Meine früheren Lehrer waren meistens spitze. In Biologie beim Urmenschen und in Geschichte sollte ich aber immer still sein. Mir wollte nicht einleuchten, warum aus seltensten Funden irgendwo so seltsam absolute Schlußfolgerungen hochgejubelt wurden. Vom einzigen Menschenvorfahr, noch dazu aus Afrika, nach paar tausend Jahren Mutationen, ohne jegliche Farbreste in der Haut? Beim Neandertaler sahen einige Rekonstruktionsbilder ja auch aus wie Max Schmeling. Heute kennt man ähnlichen Theorienkrampf bei Elementarteilchen, Urknall und Photonenverschränkung, die alle (un)möglichen Realitäten zulassen würden.
    Glücklicherweise half bei den Urmenschen die DNA-Analyse. Kaukasus, Sibirien, China, Ozeanien, Südafrika usw. haben alle dort ihre eigenen Spuren hinterlassen. Deren Rekonstruktionsbilder finden sich teilweise in der Bevölkerung wieder. Es gab also zu ihren Zeiten und damaligen Bedingungen viele verschiedene Urmenschen. Die untermeerischen Tafelberge des Pazifik mit seinen Inselwelten haben die passende Tiefe zum angenommenen Wasseranstieg nach der letzten Eiszeit. Dort wird wohl niemand Skelettreste finden, hat aber teils erstaunliche Überlieferungen der dort Lebenden. Heute denkt man etwas vielschichtiger, schlicht realistischer.

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