Die Armen aus der Zone
Von Marc Hairapetian
»Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt allein in unseren Händen«, wirbt der Trailer zu Cédric Jimenez’ dystopischem Krimi »Zone 3«, was natürlich alles und nichts bedeuten kann. Doch nach 100 Minuten Spieldauer weiß das Publikum: Es geht um eine Kampfansage des »einfachen Volkes« gegen die ihre Stellung immer schamloser ausnutzenden Mächtigen. Gut gespielt und bei allem Aufwand erfreulicherweise fast ohne CGI-Effekte auskommend, liefert die Adaption von Laurent Gaudés Science-Fiction-Bestseller »Chien 51« (als »Lieblingsroman der französischen Buchhändler« ausgezeichnet) wieder einmal den Beweis, wie gut es das französische Kino vermag, soziopolitisch relevante Themen beklemmend und stylish zugleich zu verhandeln.
Paris im Jahr 2045: Über drei streng voneinander getrennte Zonen (1 für die Elite, 2 für Privilegierte, 3 für den jämmerlichen Rest) wacht Alma, eine hochentwickelte prädiktive künstliche Intelligenz, die sogar das Polizeisystem kontrolliert. Als der Schöpfer dieser Technologie ermordet wird, setzt man die Agentin Salia Malberg (Adèle Exarchopoulos) aus Zone 2 auf den Fall an. Scheinbar gibt es nicht viel zu untersuchen, der Innenminister (Romain Duris) verkündet erstaunlich schnell, dass der Anführer der »Wallbreaker«-Widerstandsbewegung (Louis Garrel) hinter dem Anschlag stecke. Als aber eine zweite Leiche in Zone 3 entdeckt wird, ist Salia darauf angewiesen, bei den weiteren Ermittlungen mit dem dort zuständigen Exjunkie Zem Sparak (Gilles Lellouche) zusammenzuarbeiten. Für gegenseitige Animositäten bleibt beiden keine Zeit, denn offenbar steckt hinter den Morden viel mehr, als es das ungleiche Duo für möglich gehalten hätte …
Trotz omnipräsenter KI und knalliger Action ist der 42 Millionen Euro teure letzte Teil von Jimenez’ Trilogie zur Strafverfolgung (nach »Bac Nord. Bollwerk gegen das Verbrechen«, 2020, und »November. Paris im Fadenkreuz«, 2022) nicht nur mit Hirn, sondern auch mit Herz und Hand gemacht. Die Chemie zwischen Exarchopoulos, die hier eine gewöhnungsbedürftige Perücke trägt, und dem in Ehren ergrauten Lellouche, der sie in seinem Regiedebüt »Beating Hearts« (2025) besetzt hat, wird von Filmminute zu Filmminute stimmiger. Bei aller Buddy-Cop-Dynamik verliert der komplexe Verschwörungsthriller jedoch nie den Konflikt zwischen Arm und Reich aus den Augen. Dass der omnipräsent ist, dafür sorgt nicht zuletzt die ganz zukunftsorientierte Form des Product Placements: Das als Koproduzent im Vorspann genannte Modeunternehmen Lacoste zeigt Werbespots auf gigantischen LED-Screens inmitten der zerfallenen Gebäude von Zone 3 … Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
»Zone 3«, Regie: Cédric Jimenez, Frankreich 2025, 100 Min., bereits angelaufen
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