K. für Karlsruhe
Von Marc Bebenroth
Weder stetige Gebietsverluste an russische Truppen noch Korruptionsermittlungen im Umfeld der Kiewer Staatsspitze konnten die militärische und finanzielle Unterstützung der BRD für die Ukraine dämpfen. Auch die Auslieferung des Mannes, dem die Verantwortung für den wohl schwerwiegendsten Anschlag auf deutsche Energieinfrastruktur seit dem Zweiten Weltkrieg zur Last gelegt wird, dürfte die Befeuerung dieses NATO-Stellvertreterkriegs nicht beeinträchtigen. Am Donnerstag hat die italienische Justiz Sergij K. an deutsche Beamte übergeben, was die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte.
K. wird das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen. Bei ihm handelt es sich mutmaßlich um den Kopf einer Gruppe von sieben Personen, die der von der Bundesregierung vertretenen Version der Geschichte zufolge den Anschlag auf die Ostseepipeline Nord Stream am 26. September 2022 verübt haben soll. Dabei waren beide Stränge der Gaspipeline Nord Stream 1 an einer Stelle gesprengt worden. Von der nie in Betrieb genommenen, aber fertiggestellten Leitung Nord Stream 2 war ein Abschnitt an einem von zwei Strängen zerstört worden.
Die Bundesanwaltschaft vertritt die These, zu dem siebenköpfigen Team sollen vier Taucher gehört haben. Für die Anschläge soll eine kleine Segeljacht namens »Andromeda« angemietet worden sein, die die angeblichen Täter von Rostock aus auf die Ostsee gebracht haben soll. Sergij K. soll das Schiff gesteuert haben. Ein mutmaßlich beteiligter Taucher saß zeitweise in Polen in Untersuchungshaft. Die dortige Justiz lehnte die Auslieferung an Deutschland jedoch ab. Die Regierung in Warschau hatte zu verstehen gegeben, dass eine Überstellung nicht im nationalen Interesse Polens liege. Der Grund dafür dürfte sein, dass die Sprengung der Pipelines dem deutschen Industriekapital abrupt einen zentralen Wettbewerbsvorteil kostete: billiges russisches Erdgas. Inzwischen ist der Mann – ebenfalls Ukrainer – wieder frei.
Bisherige Ermittlungen hätten den Verdacht erhärtet, dass die Gruppe vom ukrainischen Staat unterstützt wurde, wie ein Rechercheverbund aus Zeit, Süddeutscher Zeitung und ARD Ende August berichtete. Die Personen sollen demnach mit echten ukrainischen Personaldokumenten unterwegs gewesen seien, die aber falsche Identitäten ausgewiesen hätten. Mit Ausnahme von K. sind alle mutmaßlichen Beteiligten auf freiem Fuß. Der Ukrainer K. war im August an der italienischen Adriaküste gefasst worden, wo er mit seiner Familie den Sommerurlaub verbracht haben soll. Zuvor soll er schon mehrfach in andere europäische Länder gereist sein, ohne dass ein Zugriff erfolgt war.
K. verbrachte die meiste Zeit seiner Untersuchungshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis in Ferrara. Mit Beschwerden an die italienische Justiz hatte er versucht, seine Auslieferung zu verhindern. Zwischenzeitlich war er auch in Hungerstreik. Vergangene Woche gab Italiens oberstes Gericht jedoch die endgültige Erlaubnis für die Überstellung. K. wurde mit einem Hubschrauber in Begleitung deutscher Beamter nach Deutschland gebracht, wie dpa am Donnerstag berichtete. Laut Bundesanwaltschaft soll der Mann an diesem Freitag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt werden.
Größte Nutznießer des Anschlags bleiben die fleißig Flüssigerdgas exportierenden USA. So berichtete der Journalist Seymour Hersh unter Verweis auf Insiderquellen, dass das US-Militär und die Regierung von Expräsident Joe Biden für die Sabotage verantwortlich gewesen seien.
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