Der Fußball ist sicher
Von René Lau
Wenn wir Fußballfans die Law-and-Order-Politiker des Landes hören, kommen wir aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus. Da haben welche regelmäßig einiges an Repressionsphantasien gegenüber Fußballfans – diese müssen für sie offenbar eine Inkarnation des Bösen sein. Anders lässt sich etwa die unlängst bekannt gewordene Beschlussvorlage für die in der nächsten Woche stattfindende Innenministerkonferenz nicht verstehen. Erstaunlicherweise sind es gerade SPD-Politiker, die in vorderster Front gegen die Fans kämpfen, zum Beispiel Daniela Behrens aus Niedersachsen und Andy Grote aus Hamburg.
Andere Innenpolitiker wie Armin Schuster (CDU) aus Sachsen zeichnen sich durch besondere Ahnungslosigkeit aus. Wenn er etwa ausführt, dass es allein in Sachsen in der letzten Saison 50 Verletzte durch Pyrotechnik gegeben habe, die Polizeistatistik allerdings für die gesamte Bundesrepublik 95 Verletzte aufführt, wird wohl jedem klar, dass da etwas nicht stimmen kann. Oder geht es in seinem Bundesland so gefährlich zu, dass es alleine die Hälfte der Verletzten stellt? Wohl kaum.
Ob Schuster eigene Informationen hat, woher er sie nimmt oder ob er bewusst in Interviews falsche Angaben macht, bleibt sein Geheimnis. Dem Affen die Krone setzt er aber damit auf, dass er davon träumt, zum Fußball zukünftig nur mehr ein paar Streifenwagen schicken zu müssen, wie zum Volleyball oder Handball. Er scheint nicht zu wissen, dass in Deutschland bei Volley- oder Handballspielen, je nachdem, nur wenige hundert bis wenige tausend Zuschauer anwesend sind – jedenfalls keine vergleichbaren Massen wie beim Fußball. Laut Polizeistatistik waren in der letzten Saison mehr als 25 Millionen Fans in den Fußballstadien.
Es ist offensichtlich: Die Innenpolitiker gießen weiter Öl ins Feuer.
Da legen sie sich freilich mit den Falschen an. Welche Auswirkungen Fanproteste haben können, hat man erst zuletzt beim dann abgeblasenen DFL-Investoreneinstieg gesehen. Am vorigen Wochenende war die zwölfminütige Stille in den Stadien zu Beginn der Spiele kaum zu überhören. Es war eine Warnung. Sollte die Innenministerkonferenz ihre aberwitzigen Vorhaben tatsächlich umsetzen wollen, wird es noch in dieser Saison eine Welle des Protestes geben. Auch die große Einigkeit und Friedlichkeit der Fandemo vor zwei Wochen in Leipzig sollte den Innenpolitikern zu denken geben.
Insofern ist es auch an den Vereinen und Verbänden, sich den Innenpolitikern in den Weg zu stellen. Denn eins dürfte uns allen klar sein: Der Fußball ist sicher.
»Sport frei!« vom Fananwalt.
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