Containerschiffe nehmen Kurs auf Suezkanal
Von Burkhard Ilschner
Mitte November zeigte sich der Chef der Suez Canal Authority (SCA), Admiral Ossama Rabiee, begeistert: Der Kanal sei bereit auch für größte Containerschiffe, verkündete er an Bord der »CMA CGM Jules Verne«, als die auf dem Weg von Singapur nach Beirut die ägyptische Wasserstraße zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer passierte. Wenige Tage zuvor hatten die jemenitischen Ansarollah (»Huthis«) bekanntgegeben, dass sie vor dem Hintergrund der begonnenen Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas keine weiteren Handelsschiffe im Roten Meer angreifen würden – vorerst.
Rabiee nutzte das für eine Art Werbeveranstaltung auf der Brücke des französischen Megacontainerschiffs. Seit Oktober 2023 hatten die Ansarollah aus Solidarität mit den Palästinensern immer wieder Schiffe angegriffen, viele beschädigt und vier versenkt. Neun Seeleute kamen dabei ums Leben. Rabiee gab sich nun erleichtert: Der Suezkanal ist eine wichtige Geldquelle für Ägypten, nach Berechnungen des maritimen Dienstes Hansa hatten allein 2023 knapp 1.160 Schiffe die Route befahren und dabei dem Staatshaushalt umgerechnet 733 Millionen US-Dollar Einnahmen beschert.
Am Dienstag gab es für Rabiee – wie für die Handelsschifffahrt insgesamt – zunächst Anlass für weiteren Optimismus: Die SCA vermeldete laut dem dänischen Infodienst Shipping Telegraph, dass die Reederei A. P. Møller-Mærsk bereits im Dezember wieder erste Containerschiffe den Suezkanal passieren lassen werde. Es habe »bilaterale Gespräche« gegeben, die zur Unterzeichnung eines »neuen strategischen Partnerschaftsabkommens« geführt hätten. Allerdings reagierte Vincent Clerk als CEO von Mærsk auf die SCA-Mitteilung mit leichter Skepsis: Man werde die »schrittweise« Wiederaufnahme des Verkehrs durchs Rote Meer vorbereiten, bezüglich des genauen Zeitpunkts habe aber die Gewährleistung der Besatzungssicherheit vorrangige Bedeutung.
Der deutsche Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd, fünftgrößte Containerreederei der Welt und mit Mærsk als Nummer zwei seit Anfang dieses Jahres in der Gemini-Allianz verbunden, verkündete ebenfalls am Dienstag, man habe derzeit keinen konkreten Zeitpunkt, um das Gemini-Ost-West-Netzwerk auf die Fahrt durch das Rote Meer umzustellen. Zwar sei es stets Ziel des Bündnisses gewesen, zu einem Suez-basierten Fahrplan »mit minimalen Störungen der Lieferketten unserer Kunden« zurückzukehren, aber oberste Priorität habe zunächst einmal die Sicherheit von Besatzung, Schiffen und Fracht.
Laut Rabiee soll es auch mit CMA CGM und weiteren großen Reedereien Gespräche geben, um verstärkt Verkehre wieder durch den Suezkanal zu führen. Der singapurische Dienst Splash247 berichtete, die SCA biete künftig für große Containerschiffe vergünstigte Mautgebühren an. Der Grund für solche Äußerungen liegt auf der Hand: Der CSA-Chef verwies auf die bereits drastisch steigenden Transportmengen in den Ost-West-Liniendiensten, typisch für das bereits seit Wochen laufende Weihnachtsgeschäft.
Die infolge der Ansarollah-Angriffe auf Handelsschiffe von den meisten Reedereien vorgenommene Umleitung von Schiffen um die Südspitze Afrikas herum haben Transitzeiten, Transportkapazitäten, Treibstoffverbrauch, Emissionen und Versicherungsprämien deutlich ansteigen lassen, die globalen Lieferketten belastet und zu erheblichen Staus auf alternativen Routen und in vielen Häfen geführt. So sehr sich das aber bei Zunahme von Suez-Verkehren normalisieren wird, allein der Abbau von Überkapazitäten wird Fracht- und Charterratenniveaus beträchtliche Turbulenzen bringen, schreiben nicht nur Schiffahrtsbeobachter der schwedischen Bank SEB.
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