Wie kommt der Walkman ins Museum?
Von Gisela Sonnenburg
Ihre Statur ist schlank, das Lächeln herzlich: Marion Ackermann ist das neue Oberhaupt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, welche die staatlichen Berliner Museen unter ihrer Ägide bündelt. Am Montag stellte sie mit ihrem Team die neue Jahresschau der Presse vor. Ackermann ist »erst«, wie man in ihren Kreisen sagt, ein knappes halbes Jahr im Amt. Zur Abwehr negativer Gefühle trägt sie schwarze Stiefeletten, die mit einer strukturierten Oberfläche bestechen – wie schuppige Dinosaurierhaut. Ein schwarz-pink gemusterter Pulli verweist dazu dezent auf »Power, Pop und Plastik«, womit das Werk des dänischen Designers Verner Panton beschrieben wird.
Bekannt wurde Panton durch den Entwurf für die frühere Kantine des Hamburger Magazins Der Spiegel. Man wundert sich, dass bei grellen Kreismustern und psychedelischen Lampen reichlich gespeist und die Speise einbehalten wurde. Mobiliar als Aufputschmittel: Pantons 100. Geburtstag in einem Jahr wird Anlass für eine Werkschau sein, im Kunstgewerbemuseum. Schon ab dem 22. Mai 2026 wird indes in der Alten Nationalgalerie der legendäre Galerist Paul Cassirer zum Dreh- und Angelpunkt, um Highlights des Impressionismus zu versammeln. »Lise«, die schöne Füllige, die für Renoir verträumt unterm Baum stand, ist ebenso dabei wie die sommerliche Natur, wie Claude Monet sie sah. Übrigens hat auch die Alte Nationalgalerie jetzt eine stilbewusste weibliche Leitung, mit Annette Hüsch. Hoffen wir, dass der Feminismus in den Museen immer stärker Fuß fasst, mit und ohne Stiefeletten.
»Schwerer Stoff« heißt doppeldeutig eine Ausstellung über weibliche Trachten. Mit Arbeits-, Fest- und Trauerkleidung wurden und werden Europas Frauen eingezwängt und gefeiert. In Knallbunt oder Vollschwarz, was 1880 übrigens auch zum Heiraten taugte. Zu sehen sind die Gewänder ab 24. April 2026 im Museum Europäischer Kulturen. Wie der Walkman ins Musikinstrumentenmuseum kommt, schaut man sich dann ab Dezember 2026 an. Dort lockt auch die erste Aufnahme mit Herbert von Karajan als Dirigent, die ausgerechnet in Berlin-Kreuzberg eingespielt wurde. Punk oder Grindcore soll aber nicht ertönen.
Solche Klänge kommen einem eher bei den Pariser Werken von Constantin Brâncuși und Sophie Calle in den Kopf. Ganz familiär dürfte uns zudem Dschingis Khan erwarten, dessen Eroberung der Welt auf dem Pferd eine Schau in der James-Simon-Galerie gewidmet wird. Die Pferdchen traben aber langsam an, erst zu Weihnachten 2026 sind sie da. Dutzende weiterer Ausstellungen beginnen früher: Man hat mal wieder die Qual der Wahl. Weiter so!
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